Steigende Strompreise
Ein Dorf versorgt sich selbst

Je höher der Strompreis, desto reizvoller werden Projekte zur Selbstversorgung - etwa auf dem Land. Altenmellrich ist ein Beispiel. Es zeigt allerdings auch die Ungereimtheiten einer subventionsgesteuerten Energiewende.
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AnröchteGanz Deutschland muss sich nach der neuen Erhöhung der EEG-Umlage 2014 auf höhere Strompreise einstellen - mit Ausnahme der Kommunen und Genossenschaften, die Strom, Wärme oder beides inzwischen selbst erzeugen und sich unabhängig von den Strommärkten gemacht haben. Altenmellrich in Ostwestfalen, ein Ortsteil von Anröchte, ist ein Beispiel.

Das Dorf hat rund 330 Einwohner, die historische St-Georgs-Kapelle, eine gewundene Hauptstraße, schöne Natursteinfassaden und einen Fahrrad- und Rasenmäherladen. Rund eine Million Kilowattstunden Strom verbrauchen die Altenmellricher pro Jahr, weit mehr als 40 Mal so viel erzeugt der örtliche Großbauer Norbert Gröblinghoff aber selbst mit einer Biogasanlage und einem Blockheizkraftwerk.

Altenmellrich habe damit einen Eigenversorgungsgrad von über 4000 Prozent, lobte der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) vergangenes Jahr bei einem Besuch. Als Vorbilder für die Energiewende sieht der Geschäftsführer der Energieagentur NRW, Lothar Schneider, die rund ein Dutzend „Plus-Energie-Gemeinden“ im Land, die mehr Energie bereitstellen als sie verbrauchen.

Gröblinghoff hat sich schon vor zehn Jahren von der traditionellen Landwirtschaft weitgehend verabschiedet und sich auf die Stromerzeugung mit seiner großen Biogasanlage rund eineinhalb Kilometer außerhalb des Dorfes konzentriert. Der 57-Jährige mit dem kräftigen Händedruck baut auf 250 Hektar nachwachsende Rohstoffe an - neben Mais und Zuckerrüben kommen zugekaufter Hähnchenmist und Gülle in die Anlage. Schweinemast betreibt Gröblinghoff nur noch nebenbei im kleinen Stil.

Zunächst hatte er nur ein Blockheizkraftwerk direkt neben der Biogasanlage, doch dann kam die Idee auf, die Wärme der Anlage für das Dorf zu nutzen. Seit 2009 gab es nämlich für Unternehmer, die neben dem Strom auch Wärme einspeisen einen zusätzlichen „Kraft-Wärme-Kopplungs-Bonus“ von drei Cent pro Kilowattstunde. Gröblinghoff baute für insgesamt 750.000 Euro ein weiteres Kraftwerk im Dorf und eine Gasleitung von seiner Biogasanlage dorthin - kräftig finanziell gefördert von der KfW.

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Rechnen muss jeder

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