Stromanbieter im Zwielicht
Chaos-Tage bei Care Energy

Der Stromanbieter ändert seine Abrechnungspraxis. Experten befürchten ein Chaos für die Kunden, Verbraucherschützer sind alarmiert. Indes interessiert sich der Firmenchef vor allem für die Bergpredigt.
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DüsseldorfAuf die rund 300.000 Kunden des Hamburger Stromanbieters Care Energy kommt eine Belastungsprobe zu. Überraschend hat das seit langem in der Kritik stehende Unternehmen seine Abrechnungspraxis geändert - und damit die Aufsichtsbehörde für den Strommarkt und Verbraucherschützer alarmiert. Auf die Kunden könnten ein Abrechnungschaos und ein finanzielles Risiko zukommen.

Bisher sind es Stromkunden gewohnt, ihrem Stromlieferanten einen Pauschalpreis je Kilowattstunde Strom zu bezahlen. Er führt dann davon Steuern, Abgaben und Netzentgelte ab. Diese Verantwortung will Care-Energy-Eigentümer Martin Kristek künftig seinen Kunden aufbürden. Sie sollen selbst Geschäftspartner der Netzbetreiber werden - und selbst mit diesen abrechnen.

Care Energy begründet diesen Schritt mit seinen Bemühungen, "für Preis und Vertragstransparenz zu sorgen". Schließlich habe jeder Kunde einen Anspruch auf die Auskunft, wie sich sein Strompreis zusammensetze.

Was Care Energy verschweigt: Die Entscheidung führt direkt ins Chaos. Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist es zwar theoretisch und juristisch möglich, dass die Kunden direkt mit dem Netzbetreiber abrechnen. In der Praxis aber gehen die Stromanbieter bei praktisch allen der 40 Millionen Privathaushalte einen anderen Weg. Und das aus gutem Grunde.

Die Haushalte würden nach den Plänen von Care Energy selbst "Schuldner der Netzentgelte und der zusammen mit den Netzentgelten zu vereinnahmenden weiteren Abgaben", schreibt die Bundesnetzagentur in einer Stellungnahme für den Branchenverband BDEW, die dem Handelsblatt vorliegt. Im Klartext: Die Verbraucher tragen unmittelbar das Risiko für Änderungen dieser Komponenten, die 70 Prozent des Preises ausmachen.

Vor allem aber dürfte die Abwicklung zum unlösbaren Problem werden: Die Kunden der Netzbetreiber seien dazu verpflichtet, die Rechnungen in demselben Format entgegenzunehmen, in denen sie auch die Stromanbieter erhalten. In der Regel handele es sich dabei um das elektronische Rechnungsformat EDIFACT/INVOIC. Damit nicht genug: Um die Rechnung zu bezahlen, müssten die Kunden ebenfalls die Profi-Software nutzen.

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