Stromgewinnung
Windkraft auf hoher See soll billiger werden

Kritiker werfen Windrädern auf hoher See vor, zu teuer zu sein. Nach der Bundestagswahl könnte die Offshore-Technik daher einen Rückschlag erleiden. Die Branche wehrt sich gegen die Vorwürfe und geht in die Offensive.
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Berlin/DüsseldorfFür seine Branche rechnet Jens Eckhoff mit dem Schlimmsten. Der Präsident der Stiftung Offshore-Windenergie befürchtet, dass die Windkraftnutzung auf hoher See nach den Bundestagswahlen einen Rückschlag erleidet, wenn die Politik die Weichen nicht richtig stellt. Das Problem: Die Stromgewinnung in Nord- und Ostsee steht in dem Verdacht, zu teuer zu sein. Eckhoff geht daher in die Offensive: Kürzlich präsentierte er eine Studie, die der Branche bis 2023 Kostensenkungspotenziale von bis zu 39 Prozent attestiert. Diese Zahlen sollen die Offshore-Windkraft attraktiv erscheinen lassen.

Ob das ausreicht, um die nächste Regierungskoalition gnädig zu stimmen? "Wir sind gespannt, wie es nach der Bundestagswahl weitergeht", sagt Eckhoff. Er wünscht sich eine "zweite Welle von Investitionen". Dazu müsste die in der nächsten Legislaturperiode anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für die Windkraftnutzung auf hoher See positiv ausfallen und langfristige Perspektiven für die Technik aufzeigen.

Die Offshore-Kritiker sehen das anders. "Die Förderung der erneuerbaren Energien muss sich auf die günstigsten Technologien beschränken. Solarenergie und Windenergie an Land haben einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber Offshore-Windanlagen vor der Küste", sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbrauchzentralen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der Think-Tank "Agora Energiewende", der sich dafür ausspricht, den Ausbau der Windkraft auf hoher See zumindest zu verlangsamen.

Nach den Vorstellungen der Bundesregierung sollen bis 2020 Windparks mit einer Leistung von 10.000 Megawatt (MW) installiert sein, 2030 sollen es bereits 25.000 MW sein. 25.000 MW entsprechen der Leistung von 25 großen Kohlekraftwerken. Doch das Ziel liegt in weiter Ferne und wird auch innerhalb der Branche für kaum erreichbar gehalten. Im Moment sind erst wenige hundert MW installiert.

Für den schleppenden Ausbau gibt es verschiedene Ursachen. So sind die Bedingungen in Deutschland schwierig. Die Windparks liegen aus Gründen des Umweltschutzes bis zu 80 Kilometer von der Küste entfernt. Dort beträgt die Wassertiefe oft 40 Meter und mehr. Das macht die Gründungsarbeiten und die Errichtung aufwendig und teuer. Auch die Netzanbindung wird mit jedem Meter Entfernung von der Küste kostenträchtiger. Obendrein hat der für die Netzanbindung zuständige Netzbetreiber Tennet Probleme, mit den Anschlussarbeiten nachzukommen. So liefert etwa der kürzlich fertiggestellte Windpark Riffgat des Oldenburger Unternehmens EWE keinen Strom, weil noch 15 Kilometer Kabel fehlen. EWE und Tennet streiten, wer dafür die Verantwortung trägt.

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