Stromspeicherprobleme
Pumpspeicherwerke können Blackout-Schutz bieten

Sie sind so etwas wie Batterien in den Bergen: Pumpspeicherwerke. Die riesigen Anlagen können mit der Leistung von Atomkraftwerken mithalten – und könnten eine Zwischenlösung sein, bis es bessere Alternativen gibt.
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Erfurt/BerlinWohin nur mit dem vielen Strom, wenn die Sonne scheint und der Wind weht? Ins Wasser, könnte man meinen. Die Liste milliardenschwerer Projekte von Energiekonzernen und Stadtwerke-Konsortien für Pumpspeicherwerke in Deutschland ist lang. Die Anlagen, die bei Stromüberschuss Wasser in eine Art Riesenbadewanne auf Bergen pumpen und es bei Strombedarf durch Turbinen nach unten rauschen lassen, gelten derzeit als einziger großtechnisch bewährter Stromspeicher.

Rund 30 Stück mit einer Leistung von etwa 7000 Megawatt gibt es bereits. Knapp ein Dutzend mit einer Leistung von mehr als 4000 Megawatt sind laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW/Berlin) in der Planung oder im Genehmigungsverfahren. Ob sie je pumpen, ist aber nicht ausgemacht.

Das derzeit größte Pumpspeicherwerk, das sich mit seiner Leistung von 1060 Megawatt mit einem Atomkraftwerk messen kann, steht in Goldisthal im Thüringer Wald und ist seit 2002 in Betrieb. Es habe sich nach heftiger Kritik wegen des Eingriffs in die Landschaft mit seiner unterirdischen Turbinenhalle zu einer kleinen Touristenattraktion entwickelt, sagt Gunnar Groebler, Chef des Bereichs Wasserwirtschaft beim Energiekonzern Vattenfall.

Die Anlagen seien kein Allheilmittel für die Speicherprobleme „und nicht dafür da, die gesamte Energie der Herbststürme aufzunehmen“, räumt Groebler ein. Aber sie seien ungemein schnell, um Angebot und Nachfrage im Netz auszugleichen. „Ein neuer Pumpspeicher wie Goldisthal ist in 90 Sekunden in Volllast.“ Bei kritischen Situationen im Netz könnten Pumpspeicher auch Blackout-Schutz bieten - also großflächigen Stromausfall verhindern.

Der Aufwand dafür ist hoch, auch das Konfliktpotenzial mit Bürgern und Umweltschützern ist groß: Zumindest in Planung sind trotzdem noch größere Projekte. In Atdorf im Südschwarzwald will die Schluchseewerk AG eine Anlage mit bis zu 1400 Megawatt bauen, auch dort gibt es Widerstand. In Thüringen, das derzeit wohl die größte Stromspeicherkapazität in Deutschland aufweist, will das Stadtwerke-Netzwerk Trianel GmbH (Aachen) ein weiteres Pumpspeicherwerk errichten. Trianel-Vertreter sitzen dafür regelmäßig mit Kommunalpolitikern und Bürgerinitiativen im Städtchen Tambach-Dietharz an einem runden Tisch.

Die Unterlagen zum Raumordnungsverfahren für die bis zu 1,43 Milliarden Euro teure Anlage mit 1070 Megawatt an der Schmalwassertalsperre nicht weit vom Kamm des Thüringer Waldes entfernt seien eingereicht, sagt Trianel-Sprecher Elmar Thyen. Einen zweiten Standort hat das Unternehmen im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen im Blick.

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„Power to gas“ in Erprobung

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