Stromversorgung
Greenpeace warnt vor hohen Preisen

Durch die Einführung von Kapazitätsmärkten könnten die Kosten um mehrere Milliarden pro Jahr steigen, heißt es in einem Gutachten. Durch einfache Maßnahmen könne die Kraftwerksleistung besser reduziert werden.
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BerlinGreenpeace warnt vor einer raschen Einführung von sogenannten Kapazitätsmärkten. Die Organisation beruft sich auf ein Gutachten, das das Institut für Zukunftsenergiesysteme (IZES) für sie erstellt hat. In dem Gutachten, das dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, die Einführung von Kapazitätsmärkten könne zu "erheblichen Mitnahmeeffekten" führen. Die Autoren beziffern die Kosten für Kapazitätsmärkte auf bis zu sechs Milliarden Euro pro Jahr.

Bisher werden Kraftwerksbetreiber für ihren abgenommenen Strom bezahlt. Auf einem Kapazitätsmarkt wird schon honoriert, dass Kraftwerke betriebsbereit sind und schnell einspringen, wenn Strom fehlt. In der Branche wurden verschiedene Modelle entwickelt - von "strategischen Reserven" bis hin zu "Kapazitätsmärkten".

Auslöser der Debatte über Kapazitätsmärkte ist die sinkende Auslastung fossiler Kraftwerke: Weil Strom aus erneuerbaren Quellen immer häufiger die Strombörse flutet und die Preise fallen, sinkt die Auslastung fossiler Kraftwerke so stark, dass sich ihr Betrieb oft nicht mehr lohnt. Viele Unternehmen legen die Anlagen deshalb still. Doch das gefährdet die Systemsicherheit, weil sie unverzichtbar sind, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint.

Uwe Leprich, wissenschaftlicher Leiter des IZES, warnt aber vor den Kapazitätsmärkten: "Die Gefahr besteht darin, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Alle Kraftwerksbetreiber, die am Kapazitätsmarkt teilnehmen, werden die Hand aufhalten. Am Ende könnte es zu teuer werden."

Nach Überzeugung Leprichs ließe sich die Kraftwerksleistung, die in Deutschland vorgehalten werden muss, durch einfache Maßnahmen deutlich reduzieren. So schlägt er vor, Nachtspeicherheizungen außer Betrieb zu nehmen, mit denen insgesamt 1,4 Millionen Haushalte heizen. Sie brauchen im Winter bis zu 18 Gigawatt Strom. Dafür müssen rein rechnerisch in der Spitze 18 Großkraftwerke am Netz sein. Leprich fordert, eine 2012 gekippte Vorgabe wieder einzuführen, wonach Nachtspeicherheizungen bis 2020 ersetzt werden sollen.

Außerdem fordert Leprich, zur Deckung der jährlichen Strom-Höchstlast nicht allein auf neue, rein stromerzeugende Kraftwerke zu setzen. Er propagiert vielmehr die weitaus effizientere Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Wenn man alle Flexibilitätsoptionen nutze, sei die Stromversorgung bis 2020 gesichert - ohne Kapazitätsmärkte.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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