Stromversorgung
Versorger zögern beim Bau neuer Kraftwerke

Der Ausbau der Ökostromanlagen schreitet voran, immer häufiger wird der Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken nicht benötigt. Der Bau neuer Anlagen scheint wenig attraktiv. Doch sie werden als Ausweichoption benötigt.
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HannoverDie Versorger in Deutschland stellen wegen des Preisverfalls bei den Strom-Großhandelspreisen immer mehr Kraftwerksneubauten in Frage. Von den 74 bis ins Jahr 2020 geplanten Anlagen seien inzwischen 32 ungewiss, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Stromlobbyverbandes BDEW, Hildegard Müller, am Montag auf der Hannover Messe. Das seien zehn mehr als noch vor einem Jahr. "Die Verunsicherung der Investoren wird immer größer und auch der wirtschaftliche Druck auf die bestehenden Anlagen nimmt ständig zu." Nach der EEG-Reform müsse sich die Bundesregierung nun umgehend um die Probleme auf dem Kraftwerksmarkt kümmern.

Infografik Der große Umbau



Durch den Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne werden immer häufiger Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt. Zugleich purzeln wegen des Überangebots die Preise an den Strombörsen. Große Versorger wie E.ON oder RWE legen reihenweise Anlagen vorübergehend oder ganz still. Derzeit herrscht ein Überangebot an Kraftwerken. Einige Branchenvertreter gehen davon aus, dass sich das unter anderem dann ändern könnte, wenn bis Ende 2022 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz geht. Da die Ökostromanlagen zudem bei fehlendem Wind und Sonnenschein keinen Strom produzieren, müssten weiter Kohle- und Gaskraftwerke bereitstehen, um einzuspringen. E.ON, RWE und viele Stadtwerke fordern daher, die Bereitstellung der sogenannten "gesicherten Leistung" zu vergüten - zulasten der Stromkunden. Bei der Bundesregierung treffen sie damit aber bislang auf wenig Gegenliebe.

Der Stromverbrauch in Deutschland ging derweil zuletzt leicht zurück. Nach den am Montag vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vorgelegten Zahlen sank er sowohl 2013 als auch im ersten Quartal 2014 um rund einen Prozent. Dabei habe sich 2013 die nachlassende Konjunktur und zum Jahresauftakt 2014 die milde Witterung bemerkbar gemacht. Beim Erdgasverbrauch trieb der kalte Winter 2013 den Verbrauch bis Ende des Jahrs um 6,4 Prozent nach oben, während der milde Winter 2014 ihn in den ersten drei Monaten um acht Prozent nach unten drückte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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