Teurer, aber ohne Widerstand
Erdkabel als Lösung für den Stromnetzausbau?

Die Trassenentscheidungen für die neuen großen Stromautobahnen rücken näher. In Bayern steht der Widerstand schon fest. Bundesnetzagentur-Chef Homann hofft trotzdem auf eine Einigung - auch wenn von den bisherigen Plänen wenig umgesetzt wurde.
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BonnDer Ausbau des Stromnetzes in Deutschland liegt weiter deutlich hinter den Planungen. Von den 2009 bundesweit geplanten 1900 Kilometern neuer Stromtrassen seien erst etwa 300 Kilometer betriebsbereit, sagte der Chef der Bundesnetzagentur Jochen Homann am Dienstag in Bonn bei der Vorstellung seines Jahresberichtes.

Bei den 2013 verabschiedeten neuen Trassenprojekten gibt es vor allem gegen die geplante Gleichstrom-Autobahn von Sachsen-Anhalt nach Bayern heftigen Widerstand von Bürgern und der bayerischen Landesregierung. Er hoffe dennoch auf eine Einigung, sagte Homann. An neuralgischen Stellen könnten Erdkabel dabei helfen, Akzeptanz zu schaffen. Erdkabel sind zwar deutlich teurer, die Planer hofften aber, dafür möglicherweise lange Ortsumgehungen einsparen zu können.

„Die Leitung nach Bayern wird nach Einschätzung der Netzbetreiber gebraucht“, sagte Homann. Im Nordosten Deutschlands werde in den kommenden Jahren erheblich an Windenergie zugebaut. Dieser Strom müsse in den Süden transportiert werden. Es gehe nicht darum, Braunkohlestrom aus der Lausitz in den Süden zu schaffen. Bayern lehnt die 450 Kilometer lange Leitung als unnötig ab.

Die beiden anderen großen Leitungsprojekte sind die sogenannte Südlink-Leitung längs durch Deutschland von Brunsbüttel im Norden nach Baden-Württemberg und eine Leitung im Westen von Meerbusch-Osterath in Nordrhein-Westfalen nach Philippsburg in Baden-Württemberg. Für die Strompassage in NRW sei ein Antrag „in Kürze“, möglicherweise in wenigen Tagen zu erwarten, sagte Homann.

Insgesamt liege die Stromerzeugungskapazität in Deutschland einschließlich der Erneuerbaren mit rund 180 Gigawatt inzwischen bei dem Doppelten der Höchstlast von 80 bis 90 Gigawatt. Dies sei aber notwendig, da Sonne und Wind eben nicht ständig bereitstünden. „Wir bauen Parallelstrukturen auf.“ Die Netzagentur sei bisher „nicht hundertprozentig überzeugt“ gewesen, ob ein von der Industrie geforderter sogenannter Kapazitätsmarkt, also eine Entlohnung für das Bereithalten von konventionellen Stromkapazitäten, kommen müsse. Allerdings stünden viele Investoren in Warteposition. Deshalb sei eine baldige Entscheidung über die Frage zu begrüßen.

Für den kommenden Winter sieht die Bundesnetzagentur selbst unter den pessimistischsten Szenarien die Stromversorgung gesichert, wie die Behörde vor wenigen Tagen mitgeteilt hatte. Auch die folgenden Winter würden aus jetziger Sicht trotz der Abschaltung weiterer Atomkraftwerke voraussichtlich keine Probleme bereiten, sagte Homann. Die notwendigen Reservekapazitäten von sechs Gigawatt (2015/16) beziehungsweise sieben Gigawatt (2017/18) seien teils bereits gesichert oder würden bald kontrahiert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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