Vom grünen Strom verdrängt
Kraftwerke auf dem Abstellgleis

Strom aus Wind und Sonne lässt die Börsenpreise purzeln. Weil die Erneuerbaren bei der Einspeisung Vorfahrt haben, gehen Kraftwerke vom Netz. Die Branche wartet ungeduldig auf eine Reform der Strommarktgesetze.
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Essen/DüsseldorfDas Rheinland zwischen Mönchengladbach, Aachen und Bonn gilt als größter Braunkohletagebau Europas. Hier wühlen sich riesige Schaufelbagger durchs Erdreich. Das begehrte „braune Gold“ aus den gigantischen Abbaugebieten Garzweiler, Hambach und Inden stillt den Hunger der Kraftwerke des Essener Energieriesen RWE. 24 Kraftwerksblöcke betreibt das Unternehmen dort mit einer Leistung von 10 000 Megawatt - mehr als ein Zehntel des bundesweiten Verbrauchs.

Auf sichere Profite hatten die Energiemanager bundesweit vertraut, als sie die Pläne für die Braunkohle-, Kohle- und Gaskraftwerke entwarfen und Milliardensummen in die Hand nahmen. Nun verbucht nur noch die vergleichsweise „schmutzige“ Braunkohle schwarze Zahlen. Ausgerechnet die umweltfreundlichen und vergleichsweise kostspieligen Gaskraftwerke sind dagegen schwer in die Bredouille gekommen: Der Ausbau von Sonnen- und Windstrom bringt sie unter Wettbewerbsdruck.

„Die Lage ist dramatisch“, sagt Matthias Hartung, Chef der für konventionelle Stromerzeugung zuständigen RWE-Gesellschaft RWE-Generation. „Ich bin froh, dass ich heute nicht über Investitionen entscheiden muss“. Viele Kraftwerke ob bei RWE, Eon und anderen stehen nicht mehr im Geld, heißt es im Fachjargon der Kraftwerker. Die bundesweite Erzeugungskapazität an erneuerbaren Energien - Wind-, Bio- und Sonnenstrom - von mehr als 65 Gigawatt (2012) würde an manchen Tagen theoretisch allein ausreichen, um den deutschen Strombedarf zu decken. Das gilt vor allem an Wochenenden.

Ist zu viel Strom vorhanden, geht der Preis in den Keller. Allein von Anfang 2012 bis Juli 2012 fiel der Großhandelspreis von rund 55 Euro pro Megawattstunde auf 36 Euro. Nach Angaben von RWE bedeuten 1 Euro weniger im Schnitt Erlöseinbußen von 70 Millionen Euro im Jahr bei der Braunkohle und 24 Millionen Euro bei der Kernkraft. Einstweilen profitieren die Erzeuger beim Stromverkauf noch von längerfristigen Verträgen. Doch von Jahr zu Jahr schmelzen die Vorteile dahin. „In zwei bis drei Jahren trifft uns die Krise in voller Wucht“, prophezeit Hartung.

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Kraftwerke auf dem Abstellgleis

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Stilllegungen könnten Netzstabilität gefährden

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