Vorläufige Bilanz
Der Energiewende-Kater

Eine bessere Steuerung der Energiewende ist das große Projekt der neuen Bundesregierung. Bis Ostern soll als erstes eine Reform der Ökostrom-Förderung stehen. Derzeit läuft vieles nicht nach Plan. Doch es gibt Hoffnung.
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BerlinAls der Beschluss zu Atomausstieg und Energiewende verkündet wird, sind die meisten Abgeordneten schon in der Kantine. Die Stimmenauszählung dauert so lange, dass viele von dannen ziehen. Eher beiläufig verkündet Bundestags-Vizepräsident Eduard Oswald am 30. Juni 2011 das Ergebnis im fast leeren Plenarsaal. Zweieinhalb Jahre später kann dies fast schon als symbolhaftes Bild herhalten.

Feierlich war die grüne Energiezukunft beschworen worden, nach Fukushima wurden die gerade noch verlängerten Laufzeiten drastisch verkürzt, acht Meiler im Eilverfahren stillgelegt. Dann ging man aber schnell zur Tagesordnung über, keiner dachte an einen Masterplan. Die Energiewende wurde vom Positivprojekt zum Problemfall. 16 Länder schmiedeten eigene Ausbaukonzepte, Stromtrassen durch die Republik wurden geplant und neue Solarparks mit Modulen aus China errichtet. Vergütungen konnten gar nicht so schnell gekürzt werden, wie der Ausbau anzog. Bund und Länder verhedderten sich im Interessendickicht.

Die Ökostrom-Umlage stieg in immer neue Höhen und mit ihr der Strompreis. Auf die Euphorie folgte ein Kater, der so groß ist, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun die Energiewende-Reform zum vorrangigsten Projekt erklärt hat. Bis Ostern soll eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes stehen. Das wird erst der Anfang sein.

Was läuft gut?

  • Der Ökostrom-Anteil liegt inzwischen bei rund 25 Prozent. Nach einem sehr teuren Rekordzubau 2010 bis 2012 ist das Solarproblem gelöst. Es gibt automatische Förderkürzungen, 2016 oder 2017 gibt es bei 52 000 Megawatt installierter Leistung keine Förderung mehr.

  • Bis 2022 sollen drei große Höchstspannungsleitungen mit 2800 Kilometer Länge von Nord nach Süd gebaut werden. Die Planungen dafür sind im Zeitplan, die Kosten werden über zehn Milliarden Euro betragen. Aber noch sind die Netze nicht gebaut, viele Klagen drohen.

  • Der hohe Ökostrom-Anteil verbilligt die Preise im Stromeinkauf. Derzeit sind teilweise nur noch 3,5 bis 4 Cent für die Kilowattstunde zu zahlen. Dadurch steigen - trotz der erneut steigenden Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien - die Strompreise Anfang 2014 gar nicht oder nur geringfügig. Die bereits gemeldeten Erhöhungen liegen im Schnitt bei gut drei Prozent. Die Mehrbelastung für eine Familie mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch beträgt etwa 35 Euro.
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Was läuft schlecht?

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