Weg mit den Energiefressern
Verbraucher beugen sich dem Strompreisargument

Strom wird teurer - daher rechnet sich der Austausch alter Hausgeräte immer schneller. Das Argument zieht bei vielen Verbrauchern, die ihre Energiefresser zunehmend aus der Küche und dem Waschkeller verbannen.
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München/NürnbergEs hat etwas gedauert, bis sich Deutschlands Verbraucher mit stromsparenden Hausgeräten angefreundet haben. Vor allem höhere Verkaufspreise für Kühlschränke, Waschmaschinen oder Geschirrspüler der höchsten Effizienzklassen A++ und A+++ ließen viele Kunden davor zurückschrecken, ihre alten Energiefresser rauszuschmeißen und durch Neugeräte zu ersetzen. Doch inzwischen kommt die Energiewende auch in den deutschen Haushalten an: Nicht nur die Hersteller, sondern auch Umweltschutzverbände und Marktforscher berichten über eine wachsende Nachfrage nach den Sparsamen.

Für Rückenwind sorgen die hohen Strompreise. Die spüren die Menschen im Portemonnaie - und schauen deshalb auch beim Kauf neuer Hausgeräte stärker auf die Verbrauchswerte. Zudem rechnet sich jetzt ein neuer Kühlschrank oder Trockner wegen der gestiegenen Energiekosten in kürzerer Zeit als noch vor einigen Jahren. Hinzu kommt die gute Kauflaune der Verbraucher, die sich größere Anschaffungen gönnen, anstatt ihr Geld aufs Konto zu packen, wo es kaum Zinsen abwirft.

Die Folge: Der Marktanteil von Großgeräten mit dem Label A++ oder A+++ für das Waschen, Spülen, Kühlen oder Gefrieren hat kräftig angezogen. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres etwa kamen sie in Deutschland auf einen Absatzanteil von zusammen 65 Prozent, berichtet der Leiter des Bereichs Energie und Umwelt beim Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK, Roland Abold: „Alles, was mit Energieeffizienz zu tun hat, steht hoch im Kurs. Wenn sich dabei noch Einsparungen ermöglichen lassen, dann haben diese Produkte gute Marktchancen.“

Auch Deutschlands größter Hausgerätehersteller Bosch und Siemens (BSH) profitiert von dem Trend. Bereits im vergangenen Jahr erreichten hocheffiziente Geräte im Europa-Geschäft von BSH einen Absatzanteil von 35 Prozent - zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. „Jetzt wollen wir noch eine Schippe drauflegen“, sagt Christian Salmen, der bei BSH für dieses Geschäftsfeld zuständig ist.

Dabei tat sich die Branche anfangs durchaus schwer, die Geräte an die Kunden zu bringen. Manch einer rief sogar nach einer Abwrackprämie für die sogenannte Weiße Ware - nach dem Vorbild der Autoindustrie. Bei der Bundesregierung stieß das aber auf wenig Gegenliebe, weil das Kabinett keine neuen Subventions-Tatbestände schaffen wollte. Stattdessen setzen die Anbieter nun lieber auf Anreizsysteme regionaler Energieversorger, die den Neukauf hocheffizienter Hausgeräte mit Prämienzahlungen versüßen. „Da reicht manchmal schon ein kleiner Push“, sagt BSH-Manager Salmen.

Die Deutsche Umwelthilfe sieht auch ganz allgemein ein gewachsenes Bewusstsein für die Energieeffizienz und den Wasserverbrauch von Hausgeräten. So manche angebliche Innovation laufe jedoch auch dem Spartrend zuwider, sagt die Leiterin für Verbraucherschutz, Agnes Sauter. Den Kühlschrank mit eingebauter Kamera beispielsweise, über die sich per Internet der Füllstand von unterwegs aus abrufen lässt, hält sie mit Blick auf den Energieverbrauch für unsinnig.

Seit Jahren schon zieht die EU-Kommission Geräte mit hohem Energieverbrauch aus dem Verkehr. Zu diesen Aktivitäten gehört neben der Einteilung in Energieeffizienzklassen als bekanntestes Beispiel auch das Glühbirnen-Verbot. Damit will Europa die Haushalte dazu bringen, weniger Strom zu verbrauchen und die Umwelt zu schonen.

Alternativen zur klassischen Glühbirne sind neben Energiespar- und Halogenlampen auch Leuchtstoffröhren und Leuchtdioden (LED). Gerade die halbleiterbasierten LED, die etwa 80 Prozent weniger Strom als Glühbirnen verbrauchen, gelten als Zukunftstechnologie schlechthin. Der Hersteller Osram erwartet, in drei Jahren mehr als 50 Prozent des Gesamtumsatzes mit Produkten rund um die LED zu erwirtschaften.

Weil aber vielen Verbrauchern die Umstellung auf das andere Licht schwerfiel, horteten sie kurz vor Toresschluss noch Glühbirnen in Elektrogeschäften und Baumärkten oder deckten sich bei Urlaubsfahrten ausgiebig ein - und stellten damit letztlich doch ihr persönliches Wohlbefinden über das Stromsparen und Umweltbewusstsein.

Infografik Häuser, werdet smart!



Auch wenn das nur für begrenzte Effekte sorgen dürfte: Die Deutsche Umwelthilfe ärgert sich über den Abverkauf der alten Stromfresser. Dieser laufe schließlich auch den Klimaschutzzielen der EU zuwider, meint Sauter.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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