Windenergie
Primus dreht Geldhahn zu

Die Ökostromreform zwinge zum Investitionsstopp, so der Chef des größten Windkraftkonzerns in Europa. Die Regierung dürfe nur bei neuen Anlagen die Förderung zu deckeln.
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HannoverHans-Dieter Kettwig ist niemand, der sich in die Öffentlichkeit drängt. Doch wenn es um die Reformpläne von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel geht, meldet sich der Chef von Enercon lautstark zu Wort.

"Im Referenten-Entwurf sind viele Verschärfungen", kritisiert der Chef von Europas größtem Windkraftkonzern. Und sagt auch gleich, wozu das alles führt: "Die Verschärfungen zwingen uns zu einem Investitionsstopp in diesem Jahr", kündigt er gegenüber dem Handelsblatt an. "Dabei geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag, den wir bislang jedes Jahr investiert haben", so Kettwig. Betroffen sei zum Beispiel ein neues Trainingszentrum in Thüringen.

Was den Manager so auf die Palme bringt: Der Bundesumweltminister will das Erneuerbare Energien Gesetz EEG grundlegend reformieren. Denn der Strom muss billiger werden, die immensen Kosten für die Förderung der erneuerbaren Energien sollen sinken. Und dazu soll die Windbranche und folglich Enercon einen Beitrag leisten.

So will Gabriel zum Beispiel die Förderung für Windparks an Land senken, besonders für Standorte mit schwächerem Wind. Und er plant einen sogenannten Deckel. So will er die Anlagen nur noch bis zu einer Gesamtleistung von 2500 Megawatt fördern. Kettwig hält diesen Deckel nur für akzeptabel, wenn "dazu noch Kapazitäten für das Repowering" kommen, wenn also der Deckel nicht für den Austausch alter durch neue und leistungsstärkere Anlagen gilt.

Dieser Austausch macht in Deutschland nach seiner Einschätzung schon zehn bis fünfzehn Prozent des Geschäfts aus. In den nächsten Jahren könnte er sogar auf "20 bis 40 Prozent steigen". Denn während früher noch meistens Anlagen mit einer Leistung von deutlich weniger als einem Megawatt üblich waren, sind es heute Windmühlen mit über zwei Megawatt. Derselbe Standort produziert also viel mehr Strom als früher.

Gabriel hat einer solchen Regelung zwar in einem Kompromiss mit den Ländern in der vergangenen Woche grundsätzlich zugestimmt. Doch offen ist, ob der Gesetzentwurf in dieser Form heute in der Kabinettsvorlage landen und die parlamentarischen Beratungen passieren wird.

Die Kritik von Enercon-Konkurrenten fällt nicht so hart aus. Der Entwurf belaste windschwächere Standorte in Deutschland nicht so stark wie zunächst befürchtet, räumt Nordex-Chef Jürgen Zeschky ein. "Das ist wichtig, weil genau hier die Musik spielt."

Enercon kritisiert die Kürzungen in Deutschland heftiger, weil das Unternehmen viel stärker vom deutschen Markt abhängig ist. Das Familienunternehmen aus Aurich verkaufte im vergangenen Jahr einen Großteil seiner Anlagen mit einer Leistung von 3,7 Gigawatt in Deutschland. Hier kam Enercon auf einen Marktanteil von stattlichen 49 Prozent.

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„Windhundrennen“ vor der EEG-Reform

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