Zu Unrecht in der Nische
Die Wärmepumpe denkt mit

Die sparsamen Heizgeräte könnten in intelligenten Netzen Leistungsschwankungen der erneuerbaren Energien ausgleichen. Das Sparpotenzial der Technologie ist groß.
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KölnSie funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt: Eine Wärmepumpe entzieht der Umgebung, etwa der Außenluft oder dem Erdreich, Wärme und gibt sie als Heizenergie an das Haus ab. Während das Prinzip schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist, fristen die Geräte in der Praxis noch ein Nischendasein.

Doch mit der Energiewende steigt das Interesse an der alternativen Heiztechnik, wie eine Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt: Immerhin 4,2 Prozent der deutschen Haushalte hatten im vergangenen Jahr eine Wärmepumpe installiert – 2006 waren es erst 2,4 Prozent. „Es setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass der Fokus nicht ausschließlich auf die Stromproduktion gerichtet sein darf, sondern auf die energieeffiziente, versorgungssichere Nutzung“, sagt Rudolf Sonnemann, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Heiztechnikspezialisten Stiebel Eltron.

Das Sparpotenzial ist groß: Einer vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP) in Auftrag gegebene Studie der TU München zufolge nehmen die Geräte gegenüber Gas oder Ölheizungen bereits heute bis zu 50 Prozent weniger nichtregenerative Primärenergieressourcen in Anspruch. Steigt der Anteil an erneuerbaren Energien am Strommix wie geplant, könnten die Einsparungen im Jahr 2030 sogar bei etwa 80 Prozent liegen.

Beflügeln sollen die Branche vernetze Geräte: Im Frühjahr präsentierte der BWP mehrere Hundert Geräte, die mit einem „Smart Grid Ready“-Signet ausgezeichnet wurden. „Sie helfen, die Energiewende im Wärme- und Stromsektor gleichzeitig voranzutreiben“, sagte Verbandschef Karl-Heinz Stawiarski. Die intelligenten Geräte könnten sich also abschalten, sollte eine Stromknappheit herrschen – und wieder aktiv werden, wenn durch erneuerbare Energien ein Überangebot im Netz herrscht.

In diese Richtung geht auch ein Forschungsprojekt, das das österreichische Unternehmen Neura gemeinsam mit einer Tochtergesellschaft des Energiekonzerns Eon initiiert hat: Dabei wird Solarstrom, der auf dem eigenen Dach erzeugt wird, nicht ins Netz eingespeist, sondern für die Wärmepumpe genutzt – um damit thermische Energie zu speichern. Über die richtige Verwendung entscheidet die Anlage mit Hilfe einer Prognoseplattform, die Daten zu Strompreisen und Nutzungsverhalten sowie eine Wettervorhersage bereithält.

Eine erste Pilotphase mit 20 Kunden in Deutschland ist gut verlaufen. „Wir sind mit den technischen Ergebnissen des Pilotprojekts äußerst zufrieden“, sagt Neura- Chef Hannes Jakob. Das Prognosesystem sei praxistauglich. Attraktiv sind solche Lösungen auch, weil nach dem geänderten Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) selbst produzierte Energie nicht mehr so hoch wie früher vergütet wird, sagt Jakob: „Diese Regelung stellt de facto eine Verpflichtung zum Eigengebrauch dar.“

Manuel Heckel
Manuel Heckel
Pressebüro JP4
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