Alternative Antriebe
Fahren Passagierschiffe in Zukunft elektrisch?

Elektromotoren spielen auch auf Wasserwegen eine wachsende Rolle. Ein größeres Problem als der aufwendige Antrieb ist die Ladetechnik. Dafür haben sich die Techniker eine ungewöhnliche Lösung einfallen lassen.
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Nahezu lautlos durch einen Fjord gleiten? Endlich ohne das typische Vibrieren eines Schiffsdiesels, ohne Gestank und Lärm durch das Wasser fahren? Auf der gerade zu Ende gegangenen Branchenmesse „Shipbuilding Machinery & Marine Technology“ (SMM) in Hamburg waren alternative Schiffsantriebe eines der ganz großen Themen: Flüssiggas-und Hybrid-Antriebs-Konzepte wurden von mehreren Herstellern vorgestellt.

Weiter ist man schon in Norwegen: Ab kommenden Jahr wird in Norwegen ein Elektroantrieb in der Praxis getestet. Im Sognefjord soll von 2015 eine Autofähre zwischen Lavik und Oppedal regelmäßig verkehren. Es ist die erste rein elektrisch angetriebene Autofähre der Welt. Bis zu 360 Passagiere und 120 Autos können transportiert werden. Entwickelt wurde das 80 Meter langeSchiff von der norwegischen Werft Fjellstrand in Zusammenarbeit mit Siemens. Der Münchener Konzern zeichnet für den aufwendigen Elektro-Antrieb und die Ladetechnik verantwortlich. Stolze zehn Tonnen wiegen die beiden Lithium-Ionen-Akkus, die die zwei Elektromotoren antreiben. 

Das größere Problem stellte die Ladetechnik dar. Von vornherein war klar, dass die Fähre nicht nach jeder Überfahrt für ein paar Stunden ans Netz zum Laden angeschlossen werden kann. Dafür pendeln die Fähren zu oft. Das Stromnetz in der relativ dünn besiedelten Region am Sognefjord ist zudem nicht für so große Ladeströme ausgelegt. Deshalb entschieden sich die Techniker für eine ungewöhnliche Lösung: An beiden Fährhäfen stehen weitere Riesen-Batterien, die direkt nach dem Einlaufen an die Akkus der Fähre angeschlossen werden und sie, während Passagiere und Autos das Schiff verlassen, in nur rund zehn Minuten wieder aufladen. Legt die Fähre ab, können die Landbatterien über das normale Stromnetz langsam wieder aufgeladen werden, um beim nächsten Einlaufen der Fähre wieder fit für die erneute Ladehilfe zu sein.

Die neue Elektrofähre der Reederei Norled wird derzeit am berühmten Hardanger-Fjord fertiggestellt. Um den Wasserwiderstand auf ein Minimum zu reduzieren, wird die Fähre als Katamaran, also als Zwei-Rumpf-Boot, gebaut. Eine erhebliche Gewichtsersparnis erzielten die Ingenieure durch die Materialwahl: Anstatt den Rumpf wie üblich aus Stahl zu konstruieren, wählten die Schiffsbauer das erheblich leichtere Aluminium. Nach Angaben von Edmund Tolo, dem Entwicklungschef der Fjellstrand-Werft, beträgt die Gewichtsersparnis gegenüber konventionellen Fähren rund 50 Prozent – und das trotz der schweren Akkus!

Gespart wird auch noch an anderer, wichtigerer Stelle: Die Fähren, die bislang am Sognefjord verkehren, verbrauchen jeweils zwischen einer halben und einer Million Liter Diesel pro Jahr. Im ganzen Land gibt es etwa 100 Fährverbindungen und diese Autofähren in Norwegen stehen für etwa vier Prozent der gesamten CO2-Emissionen des Landes. Deshalb wartet die Regierung in Oslo gespannt, wie die Erfahrungen im täglichen Einsatz mit der ersten Elektrofähre ausfallen. Bewährt sich der „ZeroCat“, werden schon bald überall in Norwegen Elektrofähren verkehren.

Doch nicht nur in Norwegen wird an Elektro-Fähren geforscht. Auch auf der Spree in Berlin und auf der Hamburger Alster fahren mittlerweile schon Fährschiffe mit elektrischem Antrieb. Allerdings handelt es sich hier um Hybrid-Fähren, bei denen ein Dieselmotor im Bedarfsfall zugeschaltet wird. In Stockholm soll dagegen demnächst eine kleine elektrische Passagierfähre den Betrieb aufnehmen.

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