Bahnreise
Warum dauert die Rückfahrt immer genau so lange wie die Hinfahrt?

Ein Blick auf den Fahrplan zeigt: Egal zu welcher Tageszeit es losgeht, Hin- und Rückfahrt auf einer bestimmten Bahnstrecke laufen praktisch immer gleich ab. Der Grund ist eine simple Erfindung, die auch Nachteile hat.
  • 0

Nehmen wir einmal an, Sie sind in Krefeld und wollen mit dem Zug einmal quer durch Deutschland bis nach Cottbus reisen. Wenn Sie sich den Fahrplan anschauen, sehen Sie: Egal, zu welcher Tageszeit Sie aufbrechen müssen, die Fahrt ist praktisch immer gleich: Sie brauchen für die Strecke sechs Stunden und 17 Minuten und haben in Duisburg gut zehn und in Berlin gut zwanzig Minuten Zeit zum Umsteigen. Auf der Rückfahrt ist es ganz genauso – gleiche Fahrtzeit, gleiche Umsteigezeit.

Probieren Sie es ruhig einmal aus: Geben Sie zwei willkürlich ausgewählte Städte in den Fahrplan ein und vergleichen Sie Hin- und Rückfahrt. Nicht immer stimmen sie überein, doch in den allermeisten Fällen schon.

Der Grund ist eine simple Erfindung, die das Bahnfahren einfacher und schneller gemacht hat: die sogenannte Symmetriezeit. Danach fahren die Züge einerseits im festen Stunden-Takt (oder sogar Halbstunden-Takt), verlassen einen Bahnhof also immer zur selben Minute einer jeden Stunde. Zum anderen fahren die Bahnen der einen Richtung immer spiegelbildlich zu jenen der Gegenrichtung. So fährt der Bummelzug von Krefeld nach Duisburg um zwanzig vor los und ist zur vollen Stunde in Duisburg, während der Gegenzug aus Duisburg zur vollen Stunde losfährt und um zwanzig nach in Krefeld ankommt. In Duisburg dann fährt der ICE nach Berlin um zehn nach los, während der Gegenzug um zehn vor ankommt.

Die Folge: Zwei Züge einer Linie fahren – solange sie pünktlich unterwegs sind – immer ungefähr zur halben und zur vollen Stunde aneinander vorbei. Wenn eine Strecke nur ein Gleis hat, ist sie meist so gebaut, dass es spätestens alle halbe Stunde einen größeren Haltepunkt mit zwei Gleisen gibt, an dem die Züge aneinander vorbeifahren können.

Der Vorteil der sogenannten Symmetriezeit liegt auf der Hand: Bahnfahrer müssen sich eigentlich nur noch eine einzige Verbindung merken – und können sich spätere und frühere Verbindungen genauso leicht ausrechnen wie jene in die Gegenrichtung. Trotz ihrer Vorzüge ist die Symmetriezeit eine recht neue Entwicklung: Erst in den letzten rund 30 Jahren hat sie sich in Deutschland durchgesetzt, Vorreiter waren vor allem die Schweizer. Früher wirkten deutsche Fahrpläne meist völlig anarchisch – getaktet waren damals die wenigstens Strecken.

Doch die Symmetriezeit hat nicht nur Vorteile: Während manche Verbindungen immer gut sind, weil sie nicht zu viel und nicht zu wenig Umsteigezeit haben, sind manche immer schlecht. Sollten Sie einmal von Cottbus nach Hamburg wollen, dürfen Sie sich beim Umsteigen am Berliner Hauptbahnhof grundsätzlich fast 40 Minuten in den Bauch stehen. Zwar gibt es nachmittags um vier einen durchgehenden Eurocity – aber es ist der einzige.

Schicken Sie Ihre Fragen an leserfragen@handelsblatt.com. In der Rubrik "Frage der Woche" sucht das Team vom Handelsblatt Research Institute für Sie die Antworten.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%