Energieverbrauch
Ist das Internet ein Klimakiller?

Wer im World Wide Web surft denkt nur selten darüber nach, dass auch das der Umwelt schaden kann. Tatsächlich aber werden dadurch jährlich viele Tonnen CO2 in die Atmosphäre entlassen.
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Energiesparen ist in aller Munde, und die Größe des sogenannten „carbon footprint“, jenes Fußabdrucks also, der entsteht, wenn man das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) freisetzt, wird mittlerweile für jedes erdenkliche Produkt, für jede noch so abwegige Tätigkeit berechnet. Doch wer per Computer, Tablet oder Smartphone im Internet surft, der denkt nur selten darüber nach, dass auch Googeln der Umwelt schadet. Und es wird ja nicht nur gegoogelt.

Unternehmen unterhalten riesige IT-Abteilungen, Milliarden Menschen sind tagtäglich in sozialen Netzwerken online, kaufen bei Internethändlern ein und schauen Bilder, Videos und Fernsehsendungen im Netz. Experten zufolge werden allein in Deutschland bei der Energiegewinnung für den Betrieb von Computern, Smartphones und IT-Services jährlich rund 33 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre entlassen. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß des deutschen Flugverkehrs im gleichen Zeitraum.

Im Jahr 2020, so schätzen Wissenschaftler, werden die Internet- und Telekommunikationstechnik in Deutschland bereits ein Fünftel des gesamten Stromverbrauchs auf sich vereinen; in anderen Industrieländern geht die Entwicklung in die gleiche Richtung.

So versuchen immer mehr IT-Firmen, den Energieverbrauch ihrer Rechenzentren zu verringern und damit ihren „carbon footprint“ zu verkleinern. Im Jahr 2012 hat Greenpeace in der Studie „How green is your cloud?“ vor allem die großen Internetkonzerne unter die Lupe genommen. Apple, Amazon und Microsoft schnitten in der Studie schlecht ab, da sie beinahe ein Drittel ihres Energiebedarfs aus Atomstrom decken. In der Neuauflage der Untersuchung belegt der iPhone-Hersteller dagegen Platz 1, weil er seine Rechenzentren inzwischen komplett mit Ökostrom betreibt, auch Facebook und Google erhielten gute Noten. Dagegen watschten die Umweltschützer Amazon ab – der Online-Händler nutze großflächig „schmutzige Energie“.

Vor allem Google investiert seit Jahren in klimaschonende Technik sowie in Solar- und Windparkprojekte – meist jedoch nicht für den eigenen Strombedarf. Zwar gibt es bereits Pläne wie etwa für schwimmende Rechenzentren, die die Wellenbewegungen nutzen, um Strom zu erzeugen, und deren Computer vom Meerwasser gekühlt werden. Und bereits heute entstehen Serverfarmen immer häufiger in Ländern rund um den Polarkreis, wie etwa in Island, Norwegen oder Alaska, in denen die Kühlung der Aggregate schon wegen der niedrigen Außentemperaturen viel weniger Strom verbraucht. Dennoch wird der überwiegende Teil des Energiebedarfs der IT-Industrie immer noch aus konventionellen Quellen gedeckt.

Allerdings gibt es neben den Versuchen, mehr Strom für die IT-Technik aus regenerativen Quellen zu gewinnen, weitere Ansätze, den Energiebedarf des World Wide Web zu senken. Forscher der University of Berkeley beispielsweise wollen dies erreichen, indem sie die Versendung einzelner Datenpakete um nur wenige Millisekunden bremsen und so den Datenfluss glätten. Damit ließen sich Einsparungen von bis zu 50 Prozent erreichen, weil die Netzwerk-Hardware dann im Durchschnitt geringer belastet werde. Aber auch in der Verlagerung von IT-Diensten in die Cloud sehen Experten ein großes Einsparpotenzial. Google etwa hält 87 Prozent für möglich.

Allerdings könnten neue Entwicklungen dieses Einsparpotenzial auch wieder zunichte machen. Denn der jüngste Trend, das Internet der Dinge, frisst einer neuen Studie zufolge massenweise Energie. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) sind mittlerweile 14 Milliarden Geräte mit dem Internet verbundenen. Daraus erwarten Forscher eine wachsende Belastung für die Energieversorgung.

Die Studie der IEA-Experten kommt zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel der im vergangenen Jahr von den vernetzten Geräten verbrauchten Energie verschwendet worden seien. Laut IEA waren dies etwa 400 Terawattstunden. Das entspricht dem gesamten Jahresbedarf an Energie von Großbritannien und Norwegen zusammen. Die ökonomischen Verluste beziffert die IEA auf 80 Milliarden Dollar, 2020 könnten diese bereits auf 120 Milliarden Dollar anwachsen. Nicht allein aus Klimaschutzgründen könnte hier noch jede Menge Energie eingespart werden.

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