Gedächtnisleistung
Können Senioren mit Klängen ihre Zerstreutheit überwinden?

Mit steigendem Alter fällt es den Menschen immer schwerer, sich zu konzentrieren. US-Forscher testeten nun eine neue Trainingsmethode für das Gedächtnis, die auf dem Erkennen bestimmter Töne basiert.
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Das Älterwerden stellt den Menschen vor zahlreiche Probleme. So nimmt bei Senioren die Fähigkeit, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren, spürbar ab. Ähnlich wie Kinder lassen sie sich durch die unterschiedlichsten Einflussfaktoren von ihrer eigentlichen Tätigkeit ablenken. Die Folge: zielorientiertes Denken und Arbeiten fällt immer schwerer.

Wissenschaftler haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche Untersuchungen angestellt und entsprechende Trainingstherapien entwickelt, um vor allem die Gedächtnisleistung älterer Menschen zu verbessern. Allein die Fähigkeit, ablenkende Faktoren zu unterdrücken, blieb davon unberührt.

Jetzt haben US-Forscher aber offenbar eine Erfolg versprechende Methode gefunden. Getestet haben die Wissenschaftler an der University of California in San Francisco ihr Verfahren an älteren Menschen. Das Erstaunliche: Die Methode basiert auf dem Erkennen bestimmter Töne. Die Testteilnehmer mussten einen bestimmten Ton erkennen, während Laute anderer Frequenzen sie von ebendieser Aufgabe ablenken sollten. Diese neue Technik des Gehirntrainings, so schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Neuron“, konnte die Zerstreutheit und Abgelenktheit tatsächlich verringern.

Bei ihrer Untersuchung, für die die Forscher Senioren von durchschnittlich 69 Jahren antreten ließen, bekamen die Probanden Töne unterschiedlicher Frequenzen vorgespielt. Bei einer Gruppe des Testfelds bestand die Aufgabe darin, sich auf den Ton in einer bestimmten „Zielfrequenz“ zu konzentrieren, diesen zu erkennen und die anderen Töne ignorieren. Je besser die Probanden den Zielton trafen, desto mehr wurden die Störsignale der Zielfrequenz angenähert – und umgekehrt.

Eine weitere Gruppe von Senioren musste sich mit wechselnden „Zielfrequenzen“ herumschlagen – bei ihr variierten dafür die „Störfrequenzen“ nicht.
Bei den Tests, die sich über mehrere Wochen erstreckten, steigerten die Forscher die Herausforderung: Das Frequenzspektrum, in dem sich Zielton und Ablenkungstöne bewegten, wurde immer breiter.

Insgesamt 36 Trainingseinheiten, die in zwölf halbstündige Sitzungen über vier bis sechs Wochen verteilt wurden, mussten die Teilnehmer absolvieren. Dies taten sie in ihrer gewohnten Umgebung. Die Forscher überwachten den Testverlauf über eine sichere Internetplattform.

Es zeigte sich, dass die Senioren im Verlauf des Trainings deutliche Fortschritte machten, sich immer weniger von den Störfaktoren ablenken ließen und so ihre Trefferquote erhöhten. Mit der steigenden Aufmerksamkeit erhöhte sich zudem die Gedächtnisleistung der Testpersonen, und die Forscher konnten messbare Veränderungen bei Nervenreaktionen in bestimmten Gehirnarealen dokumentieren.

Aus ihren Studienergebnissen schließen die Wissenschaftler, dass mit Therapien, die auf ihrem Verfahren beruhen, nicht nur die Konzentrationsfähigkeit im Alter verbessert beziehungsweise erhalten werden kann. Sie hoffen gar, mit ähnlichen Techniken etwa auch Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten helfen zu können. Selbst die Übertragung der Testerfolge auf andere Sinneseindrücke und komplexere Reize wie etwa Sehen und Fühlen halten die Autoren der Studie für möglich. So könnten Menschen mit ganz unterschiedlichen Problemen der Ablenkung von den Erkenntnissen profitieren.

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