Medikamentenforschung
Wann können wir Aids-Kranke komplett heilen?

Die Behandlung von Aids macht seit einigen Jahren große Fortschritte. Doch vollständig geheilt werden können Betroffene bislang nicht. Neue Verfahren könnten das ändern - doch bis dahin wird noch einige Zeit vergehen.
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In der Entwicklung von Medikamenten gegen Virusinfektionen gelangen Pharmaforschern in den vergangenen Jahren einige beachtliche Fortschritte. Gegen Hepatitis-C zum Beispiel stehen inzwischen erstmals Wirkstoffe zur Verfügung, die eine vollständige Befreiung von den Erregern versprechen.

Auch die Behandlung der Immunschwächekrankheit Aids hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten beträchtlich verbessert, durch neue Kombinationen von antiviralen Wirkstoffen. Anders als bei Hepatitis ist es hier aber bisher nicht gelungen, betroffene Patienten vollständig von dem Erreger, dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) zu befreien. Mit der Folge, dass die Betroffenen bislang auf eine Dauertherapie mit Medikamenten angewiesen sind, um das Virus in Schach zu halten.

Das entscheidende Problem besteht darin, dass die Viren ihr Erbgut in die DNA der infizierten Zellen einbauen. Die heutigen Medikamente sind zwar in der Lage, die Vermehrung der Viren stark zu hemmen. Sie können aber nicht ihr Erbgut aus dem Zellkern der infizierten Wirtszellen eliminieren. Auf diese Weise gelingt es dem Aids-Virus, sich quasi schlafend in bestimmten Zellen der Patienten zu verstecken. Stoppt die Behandlung mit den herkömmlichen Mitteln, breitete es sich wieder aus.

Immerhin sind inzwischen auch in dieser Hinsicht Fortschritte zu erkennen. So berichteten amerikanische Forscher jüngst über erfolgreiche Versuche in Zellkulturen, bei denen es mit Hilfe eines speziellen Enzyms gelungen ist, HIV-DNA aus dem Erbgut von infizierten Zellen herauszuschneiden. Kamel Khalili von der Temple University in Philadelphia, der Leiter des Forscherteams, hält es für denkbar, das Verfahren für eine Gentherapie gegen Aids oder für die Entwicklung von Impfstoffen genutzt werden könnte.

Eine andere Erfolg versprechende Strategie könnte sich aus Versuchen einer dänischen Forschergruppe ergeben. Ihnen ist es mit einem in der Krebstherapie eingesetzten Wirkstoff gelungen, schlafende Aidsviren zu aktivieren. Auf diese Weise, so die Hoffnung, könnten auch die verstecken Reservoire der Aidsviren zugänglich gemacht werden für Medikamente, die das Virus abtöten, oder aber eine Reaktion des körpereigenen Immunsystems gegen die befallenen Zellen ausgelöst werden. Dazu wiederum hofft man, spezielle therapeutische Impfstoffe zu entwickeln, die die Immunabwehr entsprechend aktivieren.

Es dürfte allerdings noch lange dauern, bis auf Basis der neuen experimentellen Verfahren tatsächlich einsetzbare Therapien entstehen. Auch der Leiter der dänischen Forscher-Gruppe, Ole Sogaard, spricht nur von einem „weiteren Schritt“ auf dem Weg zu einer Heilung.

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