Tückische Krankheit
Kann Hepatitis C bald ausgerottet werden?

Die Zahl der mit Hepatitis C infizierten Menschen ist beachtlich – und deutlich höher als die der Aidskranken. Ein Impfstoff ist bislang nicht in Sicht, doch neue Medikamente sind vielversprechend.
  • 2

Das Hepatitis-C-Virus gehört zu den gefährlichen aber gleichwohl häufig unterschätzten Killern unter den Krankheitserregern. Und es geht dabei relativ heimtückisch zu Werke. Denn die meisten Betroffenen bemerken kaum etwas von einer Infektion. Gleichwohl entwickeln sich bei mehr als der Hälfte der Infizierten chronische Entzündungen, die langfristig zu Krebs und Leberzirrhosen führen können. 

Hepatitis C wird zwar nur durch direkten Kontakt mit kontaminiertem Blut oder Blutprodukten übertragen (vor allem durch nicht sterile Injektionsnadeln), gleichwohl ist die Zahl der Infizierten beachtlich und sogar deutlich höher als die der Aidskranken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass weltweit  etwa 170 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis-C-Infektion leiden (davon mehr als sieben Millionen in den westlichen Industriestaaten), und  jährlich zwischen 350.000 und 500.000 Menschen an Folgeerkrankungen sterben. In Deutschland wird die Zahl der Infizierten bei 400.000 bis 500.000 vermutet.

Ein Impfstoff gegen das HCV-Virus ist bislang zwar nicht in Sicht. Aber in der Therapie von HCV-Infektionen zeichnen sich dramatische Fortschritte ab durch eine ganze eine Reihe von neuen antiviralen Medikamenten. Zwei dieser neuen Mittel, der Wirkstoff Sofosbuvir (Sovaldi) von der US-Firma Gilead Sciences und Simeprevir (Olysio) von Johnson & Johnson sind seit gut einem halben Jahr bereits auf dem Markt und sorgen mit hohen Umsätzen für Furore. Etliche weitere Substanzen von Firmen wie Abbvie, BMS sowie Merck & Co dürften im Laufe der nächsten ein bis zwei Jahre folgen. Klinische Studien deuteten darauf, dass Kombinationen dieser neuen Wirkstoffe gegen HCV-Infektionen wesentlich besser wirken als die bisherigen etablierten Medikamente - und dies bei kürzerer Behandlungsdauer und deutlich geringeren Nebenwirkungen. 

Bislang stützt sich die Behandlung auf so genannte Interferone. Das sind immunstimulierende Hormone, die aber mit heftigen Nebenwirkungen wie Fieber, Gelenkschmerzen und Störungen der Blutbildung einhergehen. Bei vielen Betroffenen wird daher auf eine Behandlung verzichtet. Auch auf ein systematisches Screening der Bevölkerung wird bisher meist verzichtet. Angesichts der Optionen, die die neuen Mittel bieten, könnte sich das nun aber ändern könnte.  

Manche Mediziner sehen daher inzwischen Chancen, das HCV-Virus mittelfristig weitgehend oder gar vollständig zu eliminieren. Denn indem immer mehr Menschen komplett von der Erkrankung geheilt werden, könnte man theoretisch auch die Übertragungswege des Virus nach und nach austrocknen. 

Bis dahin sind allerdings noch schwerwiegende  Hürden zu meistern: Ein Problem sind zum Beispiel die bislang noch extrem hohen Preise der neuen Mittel von bis zu 80 000 Dollar (bei Sovaldi) pro Behandlungszyklus. Eine Behandlung sämtlicher HCV-Infizierter  würde auf dieser Basis viele Gesundheitssysteme überfordern. 

Ein weitere große Hürde  besteht darin, dass die große Mehrzahl der Infizierten nicht in den westlichen Industriestaaten lebt, sondern in afrikanischen und asiatischen Entwicklungsländern wie Ägypten, Irak oder Myanmar, wo die Gesundheitssysteme weniger gut entwickelt sind.  Zumindest auf lange Sicht dürften sich aber auch dort die Aussichten verbessern,  Hepatitis C und das HCV-Virus deutlich zurückzudrängen. 

Haben Sie Fragen an unsere Experten? Schicken Sie Ihren Vorschlag an leserfragen@handelsblatt.com.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%