Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg
„Der Erfolg gibt uns recht“

Bei Audi ist Ulrich Hackenberg für Innovationen und neue Ideen zuständig. Der Entwicklungschef lässt sich gern beeindrucken – ob von Start-ups aus dem Silicon Valley oder von seinen eigenen Studenten.
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Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Für mich als durch und durch technikbegeisterten Menschen ist es schier unmöglich, eine einzige Innovation herauszustellen. Natürlich muss hier das Auto genannt werden. Es befriedigt das Grundbedürfnis nach Freiheit und Mobilität. Aber auch das Internet hat das Leben und Denken der Menschen stark geprägt. Hier vereinen sich das Wissen der Menschheit und ein wichtiges Werkzeug für Recht und Demokratie. Wenn wir also weiter Automobil und weltweite Vernetzung im besten Sinn zusammenführen, verbinden wir zwei der stärksten Megatrends.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Ich lasse mich gern immer wieder neu beeindrucken. Ob es junge Startup-Gründer im Silicon Valley sind, Künstler im MoMa in New York oder Studenten, die ich bei meinen Vorlesungen in Stanford oder Shanghai kennenlerne. Ich mag es, wenn Menschen vor Ideen und Kreativität sprudeln. Auch wenn sie hier und da über das Ziel hinausschießen, bin ich immer bestrebt, genau solche Menschen in unser Unternehmen zu holen. Erst vor kurzem haben wir bei einer Abendveranstaltung unsere Erfinder und Patentträger geehrt. Es ist wichtig, den Raum für Kreativität zu schaffen, über den Tellerrand, Ländergrenzen und Kontinente hinweg zu schauen. Bei Audi gelingt uns das ausgesprochen gut. Auch deshalb wurden wir 2014 wieder zum beliebtesten Arbeitgeber in der Branche gewählt.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Oft bin ich besonders kreativ, wenn ich ganz bei mir bin: Beim Autofahren über längere Strecken, beim Klavierspielen oder wenn ich meine Frau bekoche – was zugegebenermaßen zu selten vorkommt. Es gibt manchmal die kleinen besonderen Momente: Wenn man etwa eine mechanische Uhr aufzieht und dem Ticken lauscht, gibt mir das ein Gefühl für das perfekte Zusammenspiel der Technik. So etwas inspiriert mich. Aber natürlich auch der intensive Austausch mit meinen Mitarbeitern, Kreativmeetings mit Trendforschern, mit Querdenkern, mit Technikern aller Art. Das alles ist hoch-oktaniger Treibstoff für meine Kreativität.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Scheinbar Unmögliches zu erreichen, hat mich schon immer angetrieben. Etwa ein Serienauto auf die Straßen zu bringen, dass weniger als einen Liter Kraftstoff für 100 km braucht, war lange reine Utopie. Bis wir bei Volkswagen den XL1 gebaut haben. Wenn das als visionär gilt, dann sind Visionäre bei uns gut aufgehoben.

Der Anspruch von Audi ist „Vorsprung durch Technik“. Wie will Audi diesem Anspruch auch zukünftig gerecht werden?
Indem wir weiter konsequent unseren Weg gehen. Der Erfolg gibt uns Recht. Noch nie waren Audi-Modelle weltweit so gefragt wie heute. Und wenn ich mir zum Beispiel den neuen sehr fahraktiven und leichten Audi TT anschaue, bin ich überzeugt davon, dass die Anziehungskraft unserer Marke weiter wachsen wird. Natürlich haben wir aber auch immense Anstrengungen zu leisten. Auf dem Weg zum 95-Gramm-Ziel müssen wir massiv investieren und kreative Lösungen erarbeiten. Hinzu kommen weltweit unterschiedliche Gesetze und Normen, die das Entwickeln von weltweit angebotenen Autos zu einer sehr komplexen Aufgabe machen. Doch unsere Innovations-Pipeline ist gut gefüllt.

In Sachen E-Mobilität haben wir mit dem effizienten und Performance-orientierten Plug-in-Antrieb auf die richtige Karte gesetzt. Mit der e-tron-Technologie bekommt der Kunde, was er von uns erwartet: nachhaltige Premiummobilität ohne Einschränkungen. Außerdem beweisen wir in der Elektronikentwicklung immer wieder unseren Vorsprung. Von LED- oder Laserlicht über LTE-Internetverbindung bis hin zu neuen Assistenzsystemen zum pilotierten Fahren für mehr Sicherheit und weniger Stress im Straßenverkehr. Die umfassende Baukastenstrategie ermöglicht uns, vollkommen neue Konzept zu entwickeln. Somit können wir das Modellangebot von aktuell rund 50 bis 2020 auf 60 Varianten steigern.

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