Daimler-Vorstand Thomas Weber
„Das Auto hat die Welt grundlegend verändert“

Von Bertha und Carl Benz bis zum Elektroauto: Thomas Weber, Forschungs- und Entwicklungsvorstand der Daimler AG, über die Innovationsgeschichte des Automobils und „kreative Tanksäulen“.
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Welche Innovation hat Ihrer Meinung nach die Welt am nachhaltigsten verändert?
Es wird Sie nicht überraschen, dass mir hier als erstes die Erfindung des Automobils einfällt. Vor gut 125 Jahren ist Bertha Benz mit dem ersten Automobil von Mannheim nach Pforzheim gefahren. Diese Innovation hat die Welt grundlegend verändert. Ich denke in diesem Zusammenhang etwa an kulturelle Veränderungen als Folge davon: Entfernungen waren plötzlich kein Thema mehr, die Welt wurde kleiner. Gesellschaftlich wurde Mobilität zu einem Grundwert. Die Kehrseite: es kommt zu Unfällen. Die Innovation bedeutet aber auch maßgebliche Veränderungen für unsere Umwelt. Straßen werden gebaut, das Verkehrsaufkommen wächst. Und es entstehen neue Herausforderungen, wie der steigende CO2-Ausstoß. Die umweltgerechte und gesellschaftlich akzeptierte Weiterentwicklung der individuellen Auto-Mobilität ist eines der größten Zukunftsthemen unserer Zeit, wir treiben dies massiv.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Sie meinen, außer Gottlieb Daimler und Carl Benz? (lacht) Im Ernst. Ich habe oft das Gefühl, dass wir heute ganz viele Visionäre unter uns haben. Bei allen Risiken, die das Internet und die Digitalisierung auch mit sich bringen. Beeindruckend finde ich trotzdem, wie viele gerade junge Menschen diese technischen Möglichkeiten nutzen, um ihre Ideen erfolgreich der ganzen Welt zugänglich zu machen. So wie Steve Jobs in der elterlichen Garage den ersten Mac gebaut hat, entstehen heute am heimischen Schreibtisch zum Beispiel neue Apps oder ganze Startups. Da ist extrem viel Dynamik und Zukunft drin.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Viele gute Ideen kommen mir im Austausch mit jungen Mitarbeitern oder mit Studenten z.B. an der Uni Stuttgart. Seit 2010 habe ich dort eine Honorarprofessur. In der Diskussion stelle ich oft fest, dass junge Ingenieure häufig mit einem viel breiteren Blickwinkel an neue Themen herangehen, als wir es im Industriebetrieb machen. Deshalb sind diese Veranstaltungen sehr wertvoll für mich. Um es in der Automobilsprache zu sagen: sie sind eine Art „kreative Tanksäule“, aus denen ich viel Motivation und Tatendrang zapfe.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Ich würde sagen, bevor er zum Arzt geht, kommt er besser zu uns. Denn bei Mercedes-Benz sind Visionäre stets willkommen. Das Besondere am Automobil ist doch, dass es seit über einem Jahrhundert immer wieder neue Visionen und Ideen ermöglicht. Technische Fragestellungen sind auch heute unser Kerngeschäft. Hätte ich Ihnen vor 10-15 Jahren von selbstfahrenden Autos erzählt, hätten Sie wahrscheinlich gedacht, ich habe zu viele Science Fiction Filme geschaut. Heute wird die fahrerlose Fortbewegung dank viel größerer Rechenleistung, neuer Sensor-Technik und Umfelderkennung in Verbindung mit der Digitalisierung und Vernetzung unseres Alltags immer greifbarer. Und das ist nur eines von vielen Beispielen für kreative Zukunftsgestaltung.

Worin sehen Sie für Autobauer die größte Herausforderung der Zukunft?
Wir haben bei Mercedes zwei große Ziele: die Vision vom emissionsfreien Fahren und die Vision vom unfallfreien Fahren. Dazu gehört auch das autonome Fahren. Sie entwickelt sich aus diesem Streben nach Sicherheit und mehr Komfort, wenn es um das möglichst nervenschonende Fahren von A nach B geht. Und gerade diese Vision stellt uns vor immer neue Aufgaben. Wir werden z.B. intensiv an der Optimierung von Karten sowie einer nochmals deutlich gesteigerten Rechnerleistung arbeiten. Technische Fragestellungen sind aber nur das Eine. Auf der anderen Seite müssen auch grundlegende gesetzliche Veränderungen und die nötige gesellschaftliche Akzeptanz geschaffen werden, damit die Vision vom autonomen Fahren eines Tages Realität wird. Dieses Thema habe ich daher bei uns zur Chefsache gemacht, um durch die richtigen Rahmenbedingungen bei diesem wichtigen Zukunftsthema maximal Speed aufzunehmen.

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