Holger Böse
„Gute Ideen müssen Freude bereiten“

Der wissenschaftlich-technischen Leiter des Fraunhofer Center Smart Materials schätzt sein interdisziplinäres Arbeitsumfeld. Vielleicht kommen ihm deswegen die besten Ideen in vollkommen gegensätzlichen Situationen.
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Welche Innovation hat die Welt aus ihrer Sicht am nachhaltigsten verändert?
Zwei Innovationen kommen mir da in den Sinn: Maschinen, beginnend mit der Dampfmaschine, haben die Menschen unabhängig von der Muskelkraft gemacht. Heutige Verbrennungs- und Elektromotoren können Arbeiten mit sehr großer Leistung verrichten, was früher undenkbar war. Ein anderer Innovationsschub entstand durch die Verbreitung des Computers. Damit wurden dem Menschen geistige Routineaufgaben wie komplexe Berechnungen abgenommen, die er früher nicht oder nur mit sehr großem Aufwand bewältigen konnte. In diesem Zusammenhang ist sicherlich auch die Kommunikationstechnik zur Verbreitung von Wissen zu sehen, die mit dem Internet stark beschleunigt wurde, aber bereits mit dem Buchdruck ihren Anfang nahm.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Nelson Mandela hat die Vision eines friedlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens von Menschen verschiedener Hautfarbe nie aus den Augen verloren. Er hat in seinem Leben große Entbehrungen auf sich genommen und sich auch in seiner scheinbar aussichtslosen Situation nicht entmutigen lassen, weiter für seine Ziele einzutreten. Diese Beharrlichkeit, verbunden mit Weitblick und Realitätssinn, kann nicht nur in der Politik etwas wirklich Neues hervorbringen, das vorher kaum für möglich gehalten wurde.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Die besten Ideen kommen mir in vollkommen gegensätzlichen Situationen. Einerseits lasse ich mich durch geistige Anregungen von anderen inspirieren, etwa bei Vorträgen oder in Gesprächen. Dann fügen sich frühere eigene Gedanken mit anderen Aspekten wie in einem Puzzle zu etwas Neuem zusammen. Andererseits entstehen neue Ideen auch im Zustand geistiger Entspannung, ohne Druck und ohne Notwendigkeit. Gute Ideen müssen beim Denken Freude bereiten, sonst sind sie nicht gut. Unter Druck haben es Ideen jedenfalls sehr schwer, sich zu entwickeln.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Visionen im Sinne von Martin Luther Kings berühmtem Ausspruch „I have a dream“ oder der Menschheitstraum vom Fliegen sind die Triebkraft für grundlegende Veränderungen. Visionen können begeistern und Menschen zu Höchstleistungen motivieren. Sie sind deshalb kein Anlass zum Arzt zu gehen, es sei denn, der Visionär leidet unter seinen Visionen.

Was macht die Arbeit am Institut für Sie aus?
Bei der Entwicklung neuer Produkte spielen für mich Gestaltungsfreiheit als Rahmenbedingung im Institut und Kreativität eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus bereichert mich die Vielseitigkeit der Denkansätze, die sich in einer stark interdisziplinären fachlichen Ausrichtung der Kollegen widerspiegelt. Wir arbeiten im Institut unter anderem an der Entwicklung von sogenannten intelligenten Werkstoffen. Solche Materialien ändern durch eine elektrische Ansteuerung ihre mechanischen Eigenschaften und bilden damit die Grundlage für neue Technologien der Sensorik und Aktorik im Automobil, in der Medizintechnik oder in der Robotik, die vielfach noch erschlossen werden müssen. Hierzu sind fortlaufend neue Ideen notwendig, die wir dann umsetzen können.

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