Jean Botti
„Nachts bin ich sehr produktiv“

Jean Botti ist Technikchef beim Flugzeugbauer Airbus. Im Gespräch erklärt er, wer für ihn der größte Visionär ist und wie ihm der Wechsel von der Auto- in die Luftfahrtbranche gelang.
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Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Das Internet - es ist eine der jüngsten Erfindungen, die unsere Zeit nachhaltig beeinflusst hat. Es bringt Menschen über alle Grenzen hinweg näher zusammen. Die Auswirkungen für unsere Gesellschaft sind enorm. Aber wenn Sie so wollen, war die Luftfahrt das erste World Wide Web. Die Luftfahrt verbindet Menschen genau wie das Internet. Trotz der vielen Möglichkeiten, mit Menschen über weite Distanzen hinweg über das Internet zu interagieren, wird es aber immer auch Bedarf für Gespräche von Angesicht zu Angesicht geben. Genauso wie die Menschen andere Länder nicht nur auf dem Bildschirm kennenlernen wollen. Darum haben diese beiden Innovationen die Welt nachhaltig geprägt.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Leonardo da Vinci. Er hat die Wissenschaft in vielen Disziplinen vorangebracht. Kaum ein Gelehrter der Neuzeit hatte einen so großen Einfluss auf die Philosophie, Naturwissenschaft und Medizin. Gerade für die Luft- und Raumfahrt war sein visionäres Denken beflügelnd. Seine Aufzeichnungen von Fluggeräten, die unseren heutigen Hubschraubern ähneln, waren seiner Zeit weit voraus.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Immer nachts, wenn ich aus irgendeinem Grund aufwache. Drei Uhr in der Früh ist normalerweise die Zeit, zu der mir „Geistesblitze“ einfallen.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Das kommt ganz darauf an, ob derjenige an Vitaminmangel leidet. Dann vielleicht! (lacht) Wie Sie nun wissen, bin ich nachts sehr produktiv. Vitamine helfen, dass man auch am nächsten Tag fit ist. Grundsätzlich denke ich, dass sich Menschen mit Ideen nicht beirren lassen und sich mit Experten austauschen sollten. Ein Visionär ist immer jemand, der auch bereit ist, andere Wege zu beschreiten, Neues zu erforschen.

Früher haben Sie unter anderem bei Renault und GM gearbeitet – wie können Sie Innovationen aus der Automobilindustrie bei Airbus Group einsetzen?
In der Automobil- und  Luft-und Raumfahrtindustrie gibt es zunehmend Überschneidungen und Bereiche, in denen Kooperation stattfindet. Das ist auch sinnvoll, wenn man bedenkt, dass etwa die Energie-, Batterie- und Antriebstechnik genauso wie der Bereich Aerodynamik und Interior Design viele Gemeinsamkeiten haben. Die Datenübertragungssoftware ist beispielweise auch sehr ähnlich. Der Wechsel in die Luft-und Raumfahrt ist mir deshalb sehr leicht gefallen. Im Bereich Antriebstechnik habe ich bereits in der Automobilindustrie geforscht. Heute treibe ich dieses Thema in der Luft- und Raumfahrt zum Beispiel in unserem E-Fan Projekt voran. Auch mein Diplom als Ingenieur, das ich in Toulouse erworben habe, basierte auf Forschungen in der Luftfahrt. Mein Einstieg bei Airbus Group war für mich insofern wie eine Rückkehr zu meinen Wurzeln.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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