SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon
„Perspektivwechsel ist wichtig“

Pierre-Pascal Urbon ist Chef des Wechselrichter-Herstellers SMA-Solar, Weltmarktführer in seinem Bereich. Im Interview erklärt er, warum es heute so schwierig ist, neue Ideen zu entwickeln.
  • 1

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Es gibt natürlich ganz viele Innovationen, die unser Leben nachhaltig verändert haben. Eine der wichtigsten ist für mich das Internet. Das Internet hat die Bereitstellung von Informationen, den weltweiten Wissensaustausch und die Möglichkeiten der internationalen Vernetzung von Menschen und Unternehmen extrem beschleunigt und erweitert. Auch bei der dezentralen und auf erneuerbaren Quellen basierenden Energieversorgung der Zukunft werden die Vernetzungsmöglichkeiten des Internets eine entscheidende Rolle spielen.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Zu den größten Visionären unserer Zeit zählt für mich der amerikanische Soziologe, Ökonom und Publizist Jeremy Rifkin von der Wharton School of Business. Die fossilen Brennstoffe, auf denen unsere industrielle Lebensweise beruht, haben ausgedient. Am Horizont droht eine Klimakatastrophe mit möglicherweise verheerenden Auswirkungen auf unsere Ökosysteme. Es wird zunehmend klar, dass wir ein neues Energiesystem brauchen, das uns in eine nachhaltigere Zukunft führt und das zudem ökonomisch vertretbar ist. Wie wir dies schaffen, wie  sich Wirtschaft und Gesellschaft verändern müssen und welche Technologien wir brauchen, beschreibt Jeremy Rifkin sehr klar und detailliert in seinem Buch „Die dritte industrielle Revolution“.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen? 
Für mich ist der Perspektivwechsel bei der Entwicklung neuer Ideen wichtig. Die Idee soll gut sein, die Umsetzung noch besser und draußen in der Welt müssen die Menschen auch wirklich etwas anfangen können mit beispielsweise einem neuen Produkt. Schwierig ist die Ideenentwicklung auch deshalb, weil über den gesamten Globus eine Art Standardisierung einhergeht. Nicht die Vielfalt, sondern die Gleichförmigkeit nimmt zu. Um aus diesem Denkmuster auszubrechen, helfen mir die Gespräche mit Kunden und engagierten SMA’lern.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Auf gar keinen Fall. Es waren immer Visionäre, die die Menschheit vorangebracht haben. Ohne Visionen ist eine Weiterentwicklung überhaupt nicht möglich. Das gilt selbstverständlich auch für SMA, denn wir betreten immer wieder technologisches Neuland. Natürlich haben Visionäre häufig einen schweren Stand, weil ihre Ideen zu Veränderungen führen. Erfolgreiche Visionäre versuchen deshalb, das System der Beharrlichkeit zu nutzen und nicht zu bekämpfen.

Die Solarbranche hat eine längere Durststrecke hinter sich. Wie schafft man es in schwierigen Zeiten, an seiner Vision festzuhalten? 
Die Energiefrage ist für die Menschheit von zentraler Bedeutung. Alle kennen die Zahlen. Zum Beispiel die Zahl 81 Millionen: Das ist – in Barrel – die Menge an Öl, die jeden Tag (!) zusätzlich gefördert werden müsste, wenn in der Volksrepublik China jeder Mensch auf demselben Komfortlevel leben wollte wie beispielsweise in den USA: Das ist ein Vielfaches dessen, was alle Opec-Staaten gemeinsam in 24 Stunden zu Tage fördern! Auch deshalb läuft der Ausbau der Erneuerbaren Energien auf Hochtouren. Heute ist es notwendig, dass die Deutschen nicht nur als die möglicherweise genialen Erfinder der Energiewende gesehen werden, als kluge Köpfe die einen Sunny Boy und komplizierte Technologien erdenken. Wichtig ist, dass die Welt uns auch als Innovator sieht, als Ermöglicher des Fortschritts und der Veränderung. Ich stelle mir deshalb gerne vor, dass durch unsere Technologien eines Tages die Energieversorgung zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien erfolgt – made in Germany.



Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%