Thomas Banning
„Ruhe ist bei mir gefährlich“

Thomas Banning ist Chef des Ökostromanbieters Naturstrom. Als wirkliche Visionäre betrachtet er nur wenige Menschen. Gelernt hat er, dass zu viel Kreativität auch Nachteile haben kann.
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Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Es gibt viele wirkungsmächtige Innovationen, die gleichrangig nebeneinander stehen. Aber wenn ich mich hier festlegen muss, nehme ich die Schrift. Die Fähigkeit, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle in einem elaborierten Zeichensystem festzuhalten und über Zeit und Raum hinweg anderen verfügbar zu machen, hat viele andere Innovationen überhaupt erst ermöglicht.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Jetzt sollte ich als Unternehmer aus der Energiebranche wohl James Watt, Werner von Siemens oder Michail von Dolivo-Dobrowolsky, den Erfinder des Drehstromprinzips, nennen, oder? Aber ehrlich gesagt sind für mich technische oder wirtschaftliche Visionen immer nur Mittel zum Zweck. Die wirklich großen Visionäre sind die, die an eine bessere, weil menschlichere Welt glauben und sich ganz in den Dienst ihrer Sache stellen. Seien es die Ärzte ohne Grenzen oder ähnliche Organisationen, seien es Personen wie Albert Schweitzer, Martin Luther King oder Nelson Mandela.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Manchmal, wenn ich mit dem Rücken zur Wand stehe. Aber wie bei vielen anderen vor allem dann, wenn ich nicht in der Tretmühle des Tagesgeschäftes stecke sondern mit etwas Abstand und Ruhe an ein Thema herangehe. Das kann in Gesprächen sein, wenn ich in den Perspektiven und Erfahrungen des Gegenübers neue Optionen erkenne. Häufig kommen mir die Einfälle aber gerade dann, wenn ich mir „Freizeit“ nehme und alleine bin. Ruhe ist bei mir gefährlich - dann sprudelt es nach einiger Zeit nur so von neuen Ideen. 

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Wenn der Arzt einem helfen kann, die Visionen umzusetzen – na klar! Ansonsten sollte man sich nicht für verrückt erklären lassen, egal von wem. Sondern stattdessen Gleichgesinnte suchen und loslegen, die Vision wahr werden zu lassen.

Wie sind Sie mit Schwierigkeiten auf dem Weg zur Verwirklichung Ihrer Vision umgegangen?
Geduld, gerade wenn ich innerlich brenne vor Ungeduld. Das musste ich allerdings erst lernen. Ich will immer zu viel und zu schnell, ich will permanent gestalten und die Welt verbessern. Was natürlich nicht immer geht und weshalb auch 90 Prozent meiner Ideen wohl nie realisiert werden. Zuviel an Kreativität birgt die Gefahr, dass man immer neues anfasst aber nichts sauber zu Ende bringt. Da muss man sich selbst beherrschen lernen. Ansonsten und schon immer: Andere überzeugen, nicht mit Macht überstimmen. Kompromisse schließen, aber das eigene Ziel im Kern nie aufgeben. Langfristige, erfolgreiche Gestaltung sind mir Weg und Ziel zugleich, nicht kurzfristige Siege.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
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