Ärzte-Tagung
Hilfe für Risiko-Familien verbessern

Geht es nach der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, finden in Arztpraxen künftig auch Seminare und Sprechstunden für Eltern statt. Kindern soll mit verbesserten Medikamenten sanfter geholfen werden.
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DüsseldorfFür ein gesundes Aufwachsen von Kindern auch aus benachteiligten Familien fordern Jugendmediziner ein frühes Eingreifen durch ein multiprofessionelles Team. Als Anlaufstelle sollten Familienhebammen, Kinderkrankenschwestern und Mitarbeiter des Jugendamtes feste Sprechstunden in Kinderarztpraxen abhalten. Dieses Konzept empfahl der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Prof. Norbert Wagner, am Donnerstag kurz vor Beginn der DGKJ-Jahrestagung in Düsseldorf.

So könne man sozial bedingte Entwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten früh erkennen und Hilfe in die Wege leiten. Die Kompetenz der Eltern mit sozial schwachem oder bildungsfernem Hintergrund sollte auch mit Seminaren möglichst in der Kinderarztpraxis gestärkt werden, empfahl Wagner.

Der DGKJ-Kongress – mit 3000 erwarteten Teilnehmern die bundesweit größte pädiatrische Tagung – rückt auch chronisch kranke Kinder in den Fokus. Sie und ihre Eltern sollten einen selbstständigeren Umgang mit Krankheiten erlernen, um vor allem die belastende regelmäßige Medikamenteneinnahme in Eigenregie steuern zu können, betonte Frauke Leupold, Vorsitzende des Berufsverbands Kinderkrankenpflege.

Kleine Kinder reagieren demnach oft mit heftiger Ablehnung auf bittere Medizin und komplizierte Einnahme-Prozeduren. Bis zum siebten Lebensjahr würden Medikamente auch als Bestrafung für ein Fehlverhalten missverstanden. Schon Kindern im Grundschulalter könne man Mitverantwortung für eine manchmal unangenehme Therapie übertragen, eine weiterreichende Rolle sei ab dem zwölften Lebensjahr möglich.

Bei kindgerechten Medikamenten sei derzeit ein Umdenken in Gang, berichtete Prof. Jörg Breitkreutz vom Institut für Pharmazeutische Technologie der Uni Düsseldorf. Die bisherige Praxis, Kleinkindern nur Saft oder Tropfen zu geben, gerate ins Wanken. Mini-Tabletten, die sofort in der Mundhöhle zergehen und damit keine Verschluck-Gefahr darstellen, könnten auch dem ganz jungen Nachwuchs verabreicht werden. Das hätten mehrere Studien gezeigt. Feste Arzneistoffe seien genauer dosierbar und leichter zu transportieren.

Bei der parallel stattfindenden Tagung der Kinderchirurgen geht es ab Freitag vor allem um Sportverletzungen, Überlastungen und vorschnelle Operationen bei Knochenbrüchen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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