Ärzteversorgung

Volle Wartezimmer, leeren Praxen

Hausarzt gesucht: Viele Allgemeinmediziner und andere Praxisärzte stehen vor dem Ruhestand, selbst die Krankenkassen warnen vor Lücken. Doch Forderungen der Ärzte nach mehr Geld für Weiterbildung sehen sie skeptisch.
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Nachwuchsmangel bei Hausärzten: Mehr Medizinabsolventen sollen ihre Weiterbildung zum Facharzt in Praxen machen. Quelle: dpa

Nachwuchsmangel bei Hausärzten: Mehr Medizinabsolventen sollen ihre Weiterbildung zum Facharzt in Praxen machen.

(Foto: dpa)

BerlinEine Ruhestandswelle bei den niedergelassenen Medizinern reißt nach Darstellung der Ärzteschaft immer größere Lücken bei der Versorgung der Patienten. Deshalb will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mehr junge Mediziner für eine Laufbahn in der Praxis gewinnen. Forderungen nach mehr Geld für entsprechende Weiterbildungen stoßen bei den Krankenkassen aber auf Skepsis.

„Bis 2021 werden etwa 51.000 Ärzte ihre Praxis aufgeben“, mahnte KBV-Chef Andreas Gassen am Dienstag in Berlin. Auch frühere massive Klagen von Ärztefunktionären über angeblich schlechte Bedingungen und wirtschaftliche Risiken schreckten viele Jungmediziner von einer Niederlassung ab. „Wir jammern nicht“, stellte Gassen nun klar. Der Verbandsvorsitzende und andere Ärztevertreter betonten, Praxisärzte genössen mehr Freiheiten als in der Klinik. Sie müssten heute auch kaum noch Strafzahlungen wegen zuviel verschriebener Arzneimittel fürchten.

KBV-Vize Regina Feldmann warnte vor massivem Ärztemangel. „Wir müssen gegensteuern, und zwar schnell.“ Junge Ärzte würden heute fast ausschließlich im Krankenhaus zum Facharzt weitergebildet. Sie müssten früher mit der ambulanten Versorgung in Kontakt kommen.

Die KBV will erreichen, dass mehr Medizinabsolventen ihre Weiterbildung zum Facharzt in Praxen machen. Bisher fließen dafür pro Mediziner 3500 Euro an den Weiterbilder, der das Geld an den Jungmediziner weitergeben muss. Die Kosten teilen sich Ärztevereinigung und Kassen. Feldmann meinte, nötig seien aber 4500 Euro. Sie forderte hierfür die Einrichtung einer Stiftung, gespeist aus Beitrags- und Steuermitteln.

Auch der Kassen-Spitzenverband teilt den Befund, dass sich trotz einer Rekordzahl an Medizinern insgesamt ein Hausarztmangel abzeichne. „Heute sind rund 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte als Hausärzte tätig“, sagte Sprecher Florian Lanz. „Gleichzeitig erfolgten 2012 nur 11 Prozent aller Facharztanerkennungen im Bereich der Allgemeinmedizin.“ Skeptisch zeigte er sich zur vorgeschlagenen Weiterbildungsstiftung.

Fünf neue Wege zur Diagnose
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Chip-basierte Diagnose-Tools

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Nicht das übliche Smartphone

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Eine Aufnahme mit dem Revolution CT-Scanner von GE-Healthcare: Winzigste Details erleichtern die Diagnose.

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Mithilfe einer elektronischen Intensivstation (eICU) behält das Pflegepersonal von einem zentralen Ort aus mehrere Patienten parallel im Auge. Eine Studie ergab, dass Patienten in Kliniken mit einem eICU-Programm eine um 26 Prozent höhere Chance hatten, ihren Aufenthalt zu überleben. Zudem wurden sie 20 Prozent schneller entlassen als nach der auf Intensivstationen sonst üblichen Versorgung.

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Alle sind gefragt

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Unter dem Motto „Lass dich nieder“ will die KBV zudem bundesweit mit Plakaten für die Arbeit in der Praxis werben. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Norbert Metke, sagte: „Schon heute fehlen uns etwa 300 Hausärzte im Land.“ In fünf Jahren würden weitere 500 Hausarztpraxen allein im Südwesten nicht nachbesetzt werden können.

Das Durchschnittsalter der Allgemeinmediziner liegt laut Bundesarztregister bei 54,1 Jahren. Rund 35 200 Vertragsärzte und -psychotherapeuten in Deutschland sind über 60 Jahre alt.

  • dpa
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