Angst vor Sanktionen: Patientenrisiken durch Fehler in der Pflege

Angst vor Sanktionen
Patientenrisiken durch Fehler in der Pflege

In einer neuen Broschüre berichten Pflegekräfte, Arzthelferinnen und Physiotherapeuten über Fehler in der Pflege, die aus Angst vor Sanktionen oft verschwiegen werden. Verbände werben nun für einen offeneren Umgang.
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BerlinAtemstillstand durch falsche Arzneidosis, Wasser in der Narkose-Spritze, Tod einer Pflegebedürftigen trotz Einsatzes des Pflegedienstes - Fehler in der Pflege gefährden immer wieder Patienten in Deutschland. Mit Beispielschilderungen weist hierauf eine neue Broschüre unter anderem des AOK-Bundesverbandes hin, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über die die „Bild“-Zeitung zuerst berichtet hatte. 14 Pflegefachkräfte, Arzthelferinnen und Physiotherapeuten berichten dort über Fälle aus ihrer Praxis.

Pflegeverbände und der AOK-Bundesverband werben nun für einen offeneren Umgang mit Fehlern im Pflegebereich. Der Chef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann forderte "eine Fehlerkultur frei von Angst und Sanktionen". Nur durch die Offenlegung von Fehlern in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen sowie in der ambulanten Pflege könne es gelingen, mögliche Schäden in Zukunft zu vermeiden.

Auch die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hedwig François-Kettner, und der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, forderten eine offene Fehlerkultur. Immer noch würden - aus Tabugründen oder aus Angst vor beruflichen und persönlichen Konsequenzen - Fehler im Gesundheitswesen "verschwiegen, vertuscht und verheimlicht", erklärten sie im Vorwort zur Broschüre, die auch vom Bundesverband Pflegemanagement und dem Verband medizinischer Fachberufe unterstützt wird.

Laut einer Studie von 2009/2010, aus der in dem Heft zitiert wird, ist die Zahl der Fehlermeldungen in Krankenhäusern und Heimen sehr gering. Nur 15,5 Prozent der Pflegekräfte gaben an, dass mindestens die Hälfte aller Fehler in ihren Einrichtungen gemeldet wird. Als Hürde wurden unter anderem die Angst vor den disziplinarischen Folgen, mangelnde Rückmeldung und Unklarheiten darüber genannt, welche Fälle überhaupt gemeldet werden sollen.

Bereits im Jahr 2008 hatte die AOK gemeinsam mit weiteren Akteuren im Gesundheitsbereich eine Broschüre mit Beispielen zu Fehlern im ärztlichen Bereich veröffentlicht.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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