Arzt-Patienten-Kommunikation

Einheitliche Sprachtests für ausländische Ärzte

Im deutschen Gesundheitswesen wächst der Personalbedarf. Ärzte aus dem Ausland sind da willkommen. Aber wie gut können sie sich mit ihren Patienten verständigen? Die Gesundheitsminister wollen dafür einheitliche Standards zwischen Rostock und Lörrach.
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Konferenz der Gesundheitsminister: Umgangssprache und Fachsprache müssen von ausländischen Ärzten nachgewiesen werden. Quelle: dpa

Konferenz der Gesundheitsminister: Umgangssprache und Fachsprache müssen von ausländischen Ärzten nachgewiesen werden.

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HamburgFür ausländische Ärzte in Deutschland soll es künftig bundesweit einheitliche Sprachtests geben. Das beschlossen die Gesundheitsminister der Länder auf ihrer Konferenz in Hamburg, wie die Vorsitzende, Hamburgs Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), am Freitag mitteilte. Bislang hätten sich die Anforderungen von Land zu Land unterschieden. Nun müssen Ärzte, Zahnärzte und Apotheker vor der Zulassung in Deutschland über ein fortgeschrittenes Niveau verfügen, Psychotherapeuten benötigen quasi muttersprachliche Kenntnisse.

Nach Angaben der Bundesärztekammer waren Ende vergangenen Jahres über 31.000 ausländische Ärzte in Deutschland tätig, zehn Prozent mehr als 2012. Die neu zugewanderten Mediziner kamen vor allem aus Rumänien, Griechenland, Ungarn und Syrien. „Wer als ausländischer Arzt, Psychotherapeut oder Apotheker in Deutschland tätig werden will, muss über ausreichende Kenntnisse sowohl in der Umgangssprache als auch in der Fachsprache verfügen“, erklärten die Minister.

Der saarländische Ressortchef Andreas Storm (CDU) betonte, dass die Regelungen der Länder vergleichbar sein müssten. Menschen mit Migrationshintergrund müssten im Gesundheitswesen in Hamburg, München Saarbrücken oder in Dresden tätig werden können. „Es ist wichtig, (...) dass wir hier keinen Flickenteppich haben.“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte eine ähnliche Regelung auch für Pflegekräfte aus dem Ausland. „Gerade alte und pflegebedürftige Menschen sind darauf angewiesen, dass sie verstanden werden“, erklärte der Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Nach Überzeugung der Gesundheitsminister ist der Mangel an Ärzten gerade in ländlichen Regionen nicht allein durch Zuwanderung zu beheben. Sie forderten Änderungen in der Ausbildung, um mehr Nachwuchs für Allgemeinmediziner zu gewinnen.

Bislang schlagen nach Angaben von Prüfer-Storcks 90 Prozent der Medizinstudenten eine Karriere als Facharzt ein, und nur 10 Prozent werden Allgemeinmediziner. „Wenn wir nicht gegensteuern, dann gehen uns nicht nur in ländlichen Regionen die Hausärztinnen und -ärzte aus“, warnte die Senatorin.

Eine Verjüngungskur für unser Gesundheitssystem
Wer zahlt die Zeche?
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Ganze 11,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes werden für die Vollversorgung im Gesundheitsbereich ausgegeben. Die ohnehin schon stark beanspruchten öffentlichen Kassen werden in Bälde mit noch höheren Belastungen konfrontiert werden: Die deutsche Lebenserwartung ist mit 82,8 Jahren bei Frauen und 77,7 Jahren bei Männern eine der höchsten weltweit. Jeder achte Deutsche soll 2050 80 Jahre und älter sein.

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Nach einem Bericht des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2014 rund 19,1 Millionen Menschen in Deutschland stationär im Krankenhaus behandelt. Das bedeutet einen Anstieg von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sind also dringend notwendig. Das norwegische Unternehmen Imatis hat „Visual Health“ entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Anwendung, die die Diagnose erleichtert, indem sie klinische Aufzeichnung mit einem 3D-Modell der menschlichen Anatomie verbindet. Probleme sollen so schneller identifiziert und behandelt werden.

Der Sensor wünscht „Gesundheit“
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Tragbare Sensoren können älteren Menschen dabei helfen, ein unabhängigeres Leben in den eigenen vier Wänden zu führen. Die Geräte alarmieren Familie und Ärzte bei ungewöhnlichen Aktivitäten. Das Startup-Unternehmen CarePredict aus dem US-amerikanischen Florida bietet beispielsweise einen Sensor an, der übliche Tagesabläufe (wie Mittagsschlaf und Schrittgeschwindigkeit) verfolgt und Abweichungen meldet.

Innovation wird niemals alt
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Ältere Menschen laufen Gefahr, sich sozial zu isolieren. Das US-Telekommunikationsunternehmen GreatCall plant die Analyse von Telefondaten, um Alarm zu schlagen, wenn ältere Menschen nicht mehr mit ihren Freunden sprechen. Das Fraunhofer Institut in München wiederum entwickelt einen interaktiven Roboter, dessen Videobildschirm Nutzer mit freundlichen Mitarbeitern verbindet.

Am Puls der Zeit
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Das deutsche Gesundheitssystem bietet auf 1000 Einwohner gerechnet mehr Kapazitäten und Ärzte als die meisten anderen Länder. Doch diese ausgezeichnete Struktur aufrechtzuerhalten, während Arbeitskräfte altern und das Steueraufkommen sinkt, ist schwierig. Schlaue Geräte, innovative Forschung und Investitionen in Pflegekapazitäten können bei der Lösung helfen.

Um den Herausforderungen durch den demografischen Wandel gerecht zu werden, müssen nach Ansicht der Minister Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte enger zusammenarbeiten. Sie begrüßten Modelle, die den Arzt zu den Patienten in abgelegenen Gegenden bringen, etwa „rollende Arztpraxen“ oder Gesundheitshäuser, in denen Mediziner stundenweise Sprechstunden abhalten.

In einem Strategiepapier, das die Minister beschlossen, erklären die obersten Gesundheitsbehörden der Länder, wie die Versorgung der zunehmenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Patienten in den nächsten 15 Jahren sichergestellt werden kann. Sie fordern darin mehr Prävention, mehr Personal und eine stärkere Ausrichtung auf ambulante Strukturen.

  • dpa
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