Digitaler OP Wenn der Roboter assistiert

Chirurgen und Patienten profitieren von der Digitalisierung des OP. Es werden mehr schonende Eingriffe möglich, und die Risiken sinken. Zudem steigt die Effizienz. Das ist auch nötig, denn die Zahl der Operationen steigt.
  • Malte Laub
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Hybrid-Operationssaal: Neue bildgebende Verfahren senken die Strahlenbelastung während des Eingriffs. Quelle: dapd

Hybrid-Operationssaal: Neue bildgebende Verfahren senken die Strahlenbelastung während des Eingriffs.

(Foto: dapd)

Wenn Daniel Schubert noch vor dem entscheidenden Schnitt die Meinung eines Kollegen hören will, schaltet er ihn einfach zu sich in den Operationssaal. Der Chefarzt der Allgemeinchirurgie des Klinikums Saarbrücken leitet das Bild seiner OP-Kamera mit einigen Berührungen des Touchscreens seines OP-Computers weiter auf den Laptop des Kollegen. Der kann via Netz seine Einschätzung aus seinem Büro abgeben. "Während einer Operation stehen wir oft vor der Entscheidung, ob wir nun den einen oder den anderen Weg gehen. Die Meinung eines Kollegen so unkompliziert zu hören erleichtert den Eingriff ungemein", sagt Schubert.

Das Klinikum Saarbrücken hat im Mai einen seiner zehn OP-Säle digital aufgerüstet. Neben der Möglichkeit, Experten zu konsultieren oder Eingriffe live in Hörsäle zu übertragen, bietet die Technik den Operateuren mehr Informationen. Vier schwenkbare Flachbildschirme im Operationssaal zeigen nicht nur das Bild der OP-Kamera und der Endoskope, sondern auch frühere Röntgen- oder Tomografiebilder. Schwestern oder Anästhesisten mussten nach ihnen bisher in der Patientenakte blättern. Der schnelle Zugriff auf Altbefunde ist auch ein Zugewinn an Sicherheit.

Roboter entlasten Chirurgen

"Durch die Digitalisierung der Operationssäle werden die Eingriffe präziser", sagt Michael Thorwarth, Medizintechnikexperte beim Beratungsunternehmen Boston Consulting Group und selbst Chirurg. Durch die bessere Visualisierung könne man immer häufiger minimalinvasiv operieren - also die Instrumente samt Licht und Kamera etwa durch den Nabel des Patienten einführen. Das reduziere die Nebenwirkungen, und Patienten könnten früher entlassen werden.

Jetzt gibt’s was an die Ohren
Cosinuss
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Auf den lästigen und ewig rutschenden Brustgurt können Sportler künftig verzichten. Das Münchner Unternehmen Cosinuss hat einen „In-Ear“-Kopfhörer entwickelt, der sich ans Ohr clippen lässt. Das Gadget misst dort Herzfrequenz, Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung, und überträgt die Werte per Bluetooth. Wer dafür ungern auf Begleitmusik verzichten möchte, wartet besser noch ein wenig – die nächste Generation soll auch als Kopfhörer dienen.

Rootilabs
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Nur wenige Meter vom Cosinuss-Stand entfernt, ebenfalls als Teil der „Wearable Technologies Show“: Das Unternehmen Rootilabs, das mit dem „CliMate“ anreiste. Das kleine Gerät mit der Form einer Wolke kann aufgestellt oder an die Kleidung gesteckt werden, wo es UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Temperatur messen kann – und zwar immer und überall. Die Daten werden automatisch via Bluetooth an die Smartphone-App gesendet. Wenn der Nutzer möchte, erinnert die App sogar an das Eincremen mit Sonnenmilch.

Savion
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Auch auf der Medica ist Ebola ein großes Thema. Savion Industries, ein Unternehmen aus Israel, hat das „Galileo Ebola Bed“ mitgebracht, ein mobiles Klinikbett mit einer aufgesetzten und transparenten Isolierkammer, die dem Patienten noch genug Platz bietet, um sich aufzusetzen. Die Luft aus dem Inneren der Kammer wird mit Hilfe einer Pumpe nach außen geleitet, vorher aber desinfiziert und gefiltert. So sollen der Patient und das medizinische Personal geschützt werden.

Philips
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Kein Grund zum Stillsitzen: Die Überwachung von Wehen funktioniert mit einem neuen System von Philips wie viele andere Geräte heutzutage auch – nämlich kabellos. So können sich werdende Mütter während des oft langwierigen Geburtsprozesses frei bewegen. Außerdem kann die Smart Pulse-Technologie automatisch die Herzfrequenzen von Mutter und Kind zuordnen.

RollendePraxis
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Dem Ärztemangel auf dem Land soll mit einer „rollenden Praxis“ beigekommen werden. Über 40 Projektpartner in der Grafschaft und dem Emsland haben die „Dorfgemeinschaft 2.0“ gegründet, deren Baustein das Fahrzeugkonzept ist, hergestellt von WAS aus Wiethmarschen. Von außen sieht das Gefährt aus wie ein Rettungswagen, kann aber individuell eingerichtet werden – sogar zur Zahnarztpraxis.

VolusonE10
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Emotional geht es am Stand von GE Healthcare zu, wo der Voluson E10 sehr detailreiche Bilder ungeborener Kinder zeigt. Die 4D-Technologie erfreut sich immer größerer Beliebtheit – nicht nur aus sentimentalen Gründen, sondern auch zu Zwecken der medizinischen Früherkennung. So lassen sich etwa Fehlbildungen mit der Technologie  feststellen.

Bild: Dr. Bernard Benoit, Krankenhaus Princesse Gracia, Monaco

Arctic
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Gleichzeitig Tape und Kühlelement ist das „Arctic Tape“ des kanadischen Unternehmens Vitality Depot. Der flexible Kompressionsverband enthält ein hydrophiles Gel, und passt sich anders als normale Kühlelemente der Körperkontur an. Kommt das (übrigens latexfreie) Tape mit Luft und dem Körper in Berührung, entfaltet sich durch Verdampfung der Kühleffekt. Bei Gelenkverletzungen kann so gleichzeitig Kühlung und Kompression erfolgen. 

Auch die Operationszeiten sollen verkürzt werden. Zum einen durch besseres Datenmanagement, wie es digitalisierte Aufnahmen und Patienteninformationen ermöglichen. Langfristig aber auch durch automatisierte Unterstützung im Kernbereich. Jan Stallkamp forscht mit seinem Team am Fraunhofer IPA in Mannheim daran, wie Roboter im digitalen Operationssaal eingesetzt werden können. Die Zukunftsvision: Sie könnten einmal automatisiert Tumore entfernen. Stallkamp betont: Chirurgen behielten immer die letzte Entscheidung, Roboter könnten sie aber entlasten.

Effizienzsteigerungen im OP werden nötig, denn die Anzahl der Krankenhausbetten in Deutschland sinkt, während immer mehr operiert wird. Eine halbe Million Betten stand im Jahr 2013 zur Verfügung - rund 4,4 Prozent weniger als noch 2005. 15,8 Millionen Mal operierten Ärzte in Deutschland im vergangenen Jahr, 2007 waren es noch 13,6 Millionen Operationen. Die Zahl der Chirurgen liegt konstant zwischen 19 000 und 20 500. In Zukunft sind tendenziell noch mehr Eingriffe nötig, denn die Gesellschaft altert. Schon heute sind knapp 42 Prozent aller operierten Patienten älter als 65 Jahre.

Schonendere Eingriffe

Für diese wachsende Patientengruppe sieht sich Bernhard Heindl nun besser gerüstet. Der Leiter des OP-Managements des Klinikums der Universität München konnte im September ein neues Gebäude mit 32 digitalen Operationssälen am Campus Großhadern eröffnen. Darunter auch Hybrid-Operationssäle, in denen im sterilen Bereich bildgebende Geräte stehen, die sonst in der Radiologie zu finden sind.

Auch kleinere Krankenhäuser und Praxen profitieren
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