„Ermutigender Fall“
Kleinkind dauerhaft von HIV geheilt

Es war eine Sensation: Erstmals konnte 2010 in den USA ein mit dem HI-Virus infiziertes Baby weitgehend geheilt werden. Mediziner hoffen nun, dass die Methode auch anderen Neugeborenen helfen kann.
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WashingtonIm Frühjahr 2010 ging die Nachricht von der Heilung eines HIV-infizierten Babys in den USA um die Welt. Anders als üblich verabreichten sie dem Kind schon rund 30 Stunden nach der Geburt einen Medikamenten-Mix – mit Erfolg. Nun soll eine großangelegte Studie zu der neuen Behandlungsmethode folgen. Im Süden Afrikas oder einer anderen Region mit hoher HIV-Infektionsrate solle geprüft werden, ob auch bei anderen Neugeborenen das Einnisten des HI-Virus in sogenannte Schläferzellen verhindern werden kann, sagt der Direktor des US-Aidsforschungsinstitutes NIAID, Anthony Fauci. Das „New England Journal of Medicine“ hatte berichtet, dass bei dem Kind in den USA weiter keine HI-Viren nachweisbar sind. Ihre Ärzte nennen die Dreijährige „funktionell geheilt“. Es sei ein ermutigender Fall. „Aber noch kein Grund zum Jubeln.“

Lassen die Befunde des Kindes auf eine neue Behandlungsoption hoffen?
Wir müssen den Fall weiter verfolgen. Mein Gefühl ist, dass er das Vorgehen bei Neugeborenen von HIV-infizierten Müttern, die in der Schwangerschaft nicht vorbeugend behandelt wurden, schon beeinflussen könnte. Aber es ist Vorsicht geboten. Wir brauchen Studien mit viel mehr Babys. Dann werden wir sehen, ob eine extrem frühe Behandlung, die irgendwann abgesetzt wird, tatsächlich diese Wirkung hat. Ich würde nicht von Heilung sprechen, sondern von einer anhaltenden Remission.

Wo soll die Studie stattfinden?
Wir werden sie wahrscheinlich im südlichen Afrika planen oder einer anderen Region, in der die Infektionsrate sehr hoch ist unter Babys von HIV-positiven Müttern. In Deutschland oder den Vereinigten Staaten macht es keinen Sinn, weil werdende Mütter mit HIV rechtzeitig behandelt werden und sehr selten ihre Babys infizieren.

Sehen sie die neue Methode als Durchbruch?
Nein, das ist noch kein Grund zum Jubeln. Es ist schließlich nur ein einziger Fall.

Könnte das Verfahren auch Erwachsenen unmittelbar nach der Ansteckung durch einen Partner helfen?
Nein. Es ist extrem schwer, bei ihnen den genauen Zeitpunkt der Infektion zu ermitteln. Der Ansatz bietet sich für Babys an, weil wir sie innerhalb von Stunden nach der Geburt therapieren können. Erwachsene haben das Virus Wochen, Monate und Jahre in sich, bevor wir ihre Infektion erkennen und mit der Behandlung beginnen können.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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