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Ärzte sollen „Turnschuhe verordnen statt Tabletten“

Das Gesundheitssystem müsste weitaus weniger belastet werden, wenn auf einfache und preiswerte Art vorgebeugt werden würde, so der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.
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Turnschuhe im Schuhregal: Sport kann bei einigen Krankheiten viel bewirken. Quelle: dpa

Turnschuhe im Schuhregal: Sport kann bei einigen Krankheiten viel bewirken.

(Foto: dpa)

WiesbadenDer Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat an die Ärzte appelliert, ihre Patienten mehr vorbeugend zu behandeln. Das Motto „Turnschuhe verordnen statt Tabletten“ müsse mehr in den beruflichen Alltag der Mediziner integriert werden, sagte Professor Michael Hallek am Mittwoch in Wiesbaden anlässlich der Tagung „Vorbeugen oder Behandeln - Wohin geht die Innere Medizin?“.

Gerade bei Wohlstandskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Übergewicht und Bluthochdruck könnten einfache und preiswerte Dinge wie mehr Sport oder eine gesündere Ernährung viel bewirken. Auch bei Krebserkrankungen könne die Begleitung mit Sport die Lebenszeit deutlich verlängern. Dieses Bewusstsein müsse bei Ärzten und auch bei medizinischen Fachgesellschaften immer wieder erneuert werden, erklärte der Direktor der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln. „Ich glaube, das wird manchmal vernachlässigt.“

Woran die Deutschen leiden
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Zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland gehören seelische Störungen. Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge leidet jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens mal an einer solchen Krankheit. Die häufigste Form ist die Depression, worunter etwa Angstzustände oder auch das Krankheitsbild des Burn-out-Syndroms fallen. Stress oder berufliche Überbelastung können Gründe sein.

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Schnupfen, Bronchitis, Husten: 17,4 Prozent aller Erkrankungen drehen sich um akute Infekte der oberen Atemwege, wie es im Barmer GEK Arztreport 2013 heißt. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören beispielsweise Krankheiten wie Nasennebenhöhlenentzündungen. Zu den besonders weit verbreiteten Atemwegserkrankungen zählt nach WHO-Schätzungen mit weltweit 235 Millionen Betroffenen Asthma.

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Ähnlich häufig wie Erkrankungen der Atemwege sind in Deutschland Probleme mit dem Fettstoffwechsel. Dazu gehört beispielsweise Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Eine Statistik der DKV zufolge sind rund 46 Prozent der Bevölkerung übergewichtig. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.

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Im Krankenhaus stehen Ärzte bei der Versorgung schwer übergewichtiger Menschen vor einer Herausforderung. Denn durch das hohe Gewicht können die Patienten empfindlicher auf Mittel wie Sedativa und Narkosemittel reagieren. Deswegen müssen während Operationen Werte wie die Herzfrequenz oder der Blutdruck noch sicherer kontrolliert werden. GE Healthcare hat bestimmte Parameter entwickelt, um die Patienten während des Eingriffs besser überwachen zu können und ihnen im Anschluss eine bessere Erholung zu ermöglichen.

Diabetes
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Zu den Fettstoffwechselstörungen gehört unter anderem der Diabetes mellitus, im Volksmund nennt man ihn auch Zuckerkrankheit. Man unterscheidet zwischen Typ 1 und Typ 2, wobei letzterer die mit Abstand häufigere Diabetes-Form ist. 2012 litten 371,33 Millionen Menschen weltweit an Diabetes - 2030 sollen es laut International Diabetes Federation schon 551,87 Millionen sein.

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Vier von fünf Erwachsenen haben mindestens einmal in ihrem Leben Probleme mit dem Rücken. Laut des Statistischen Bundesamtes kostet das Kreuz mit dem Kreuz die Volkswirtschaft jedes Jahr rund 20 Milliarden Euro. Übergewicht, monotones Arbeiten, Bewegungsmangel oder psychischer Druck gehören zu den Risikofaktoren, die das Robert-Koch-Institut definiert.

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Eine zunehmende Bedrohung gerade im Alter stellen Demenzerkrankungen dar. Gegenüber dem Jahr 2007 erwarten Experten, dass die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 um 113 Prozent steigen wird. Die häufigste Form von Demenz war 2011 nach Angaben des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit 65 Prozent die Alzheimer-Demenz, die immer noch unheilbar ist.

Nach Einschätzung von Hallek könnte über Jahre eine Milliardensumme im Gesundheitssystem eingespart werden, wenn auf die Prävention mehr Wert gelegt würde. Drei- bis viermal pro Woche sollten eine halbe bis eine Stunde Sport betrieben und damit möglichst viele Muskelgruppen beansprucht werden, erklärte der Mediziner. „Viel mehr bringt nicht viel mehr.“

  • dpa
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