Individualisierte Medizin

Personalisierte Pillen für den Patienten

Ein für den Einzelnen maßgeschneidertes Medikament bleibt Science-Fiction. Aber wenn verschiedene Arzneimittel von der Stange zur Auswahl stehen, kommen immer häufiger Vorab-Tests zum Einsatz.
Kommentieren
Individualisierte Medizin: Vor allem die Tumortherapie profitiert derzeit von personalisierten Medikamenten. Quelle: dpa

Individualisierte Medizin: Vor allem die Tumortherapie profitiert derzeit von personalisierten Medikamenten.

(Foto: dpa)

FrankfurtBeispiel Lungenkrebs: Gezielt wirkende Medikamente kommen im fortgeschrittenen Stadium nur für 15 Prozent der Patienten infrage. Beispiel HIV: Ein Medikament hat bei 3 Prozent der damit Behandelten lebensgefährliche Nebenwirkungen. Für beide Präparate gibt es einen Gen-Test, der das vor der Therapie abklärt. „Personalisierte Arzneimitteltherapie“ heißt das Schlagwort, das viele für einen zukunftsweisenden Weg halten. Zweifel aber bleiben: Der Nutzen sei nicht bewiesen, sagen die Kassen.

Individualisierte Medizin sei eines der vielversprechendsten Felder der Gesundheitsforschung, sagte Bundesforschungsministerium Johanna Wanka bei der Vorstellung einen Aktionsplans im vergangenen Jahr. Bis 2016 will das Ministerium bis zu 100 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet stecken.

Fünf neue Wege zur Diagnose
electronic_tattoo
1 von 5

Chip-basierte Diagnose-Tools

Diese neue „Diagnostik-Haut“ ist in der Lage, feine Temperaturabweichungen zu erkennen, die möglicherweise Anzeichen einer ernsten Erkrankung sind. Zudem kann sie kleine Bereiche mit Wärmetherapie und sogar mit Medikamenten versorgen. Der flexible Chip ist genauso wenig invasiv wie ein temporäres Tattoo und macht teure Ausrüstung, die zudem die Bewegungsfreiheit des Patienten einschränkt, überflüssig.

Frau mit Smartphone
2 von 5

Nicht das übliche Smartphone

Die Lösung ClipOCam-Derma gibt dem Trendbegriff „Selfie“ für selbst geschossene Handy-Fotos eine ganz neue Bedeutung. Sie rüstet Smartphones mit einem hochauflösenden Objektiv aus, so dass sich Hautveränderungen per Remote-Diagnose über eine App bestimmen lassen. Die Lösung zielt vor allem auf dünn besiedelte Gegenden mit schlechter medizinischer Versorgung ab.

CTRevolution
3 von 5

Eine Aufnahme mit dem Revolution CT-Scanner von GE-Healthcare: Winzigste Details erleichtern die Diagnose.

EICU
4 von 5

I see you (ICU)

Mithilfe einer elektronischen Intensivstation (eICU) behält das Pflegepersonal von einem zentralen Ort aus mehrere Patienten parallel im Auge. Eine Studie ergab, dass Patienten in Kliniken mit einem eICU-Programm eine um 26 Prozent höhere Chance hatten, ihren Aufenthalt zu überleben. Zudem wurden sie 20 Prozent schneller entlassen als nach der auf Intensivstationen sonst üblichen Versorgung.

Aerzte_Imago
5 von 5

Alle sind gefragt

Wann immer es schwierig ist, eine klare medizinische Diagnose zu stellen, kann man über CrowdMed.com die Symptome online stellen und per Crowd-Sourcing nach einer Lösung suchen. Anwender können „Medizindetektive“, die einen Fall gelöst haben, zudem mit Geldprämien belohnen. Die CrowdMed Gründer sagen, ihre Lösung soll keineswegs den Arzt ersetzen, sondern Alternativen zur klassischen Diagnose bieten.

Laut Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) werden derzeit 30 bis 40 Medikamente personalisiert eingesetzt. Solche Tests können theoretisch drei Arten von Prognosen liefern: wie gut das Medikament bei einem Patienten wirkt, wie gut er es verträgt und wie es am besten dosiert wird.

Die meisten personalisierten Medikamente gibt es laut vfa in der Tumortherapie. „Grundsätzlich halten wir sehr viel davon“, sagt Prof. Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Für einige Krebsmedikamente seien solche Tests sogar in der Zulassung vorgeschrieben: Sie dürfen nur verordnet werden, wenn ein bestimmtes Zellmerkmal vorhanden ist.

„Es geht darum, dass nur die Patienten das Präparat bekommen, denen es auch wirklich hilft“, sagt Wörmann. Allerdings gebe es solche Tests erst für weniger als 20 von weit über 100 Krebsmedikamenten. Mehr hielte er für wünschenswert, aber nicht alle Wirkmechanismen seien dafür gleich gut dafür geeignet.

Einer der Arzneimittelhersteller, die auf diesem Feld aktiv sind, ist die in Bad Vilbel ansässige Stada AG. Sie arbeitet dafür mit dem Frankfurter Biotechnologieunternehmen Humatrix zusammen. Zusammen vertreiben sie DNA-Tests zur Nachbehandlung von Brustkrebs, bei zu hohem Cholesterinspiegel sowie für Patienten mit erhöhtem Herzinfarkt- und Thromboserisiko.

Neuestes Produkt ist ein Test, „der Ärzten und Patienten bei der Entscheidung hilft, welches von 16 möglichen Antidepressiva am effektivsten wirkt“, wie Stadapharm-Geschäftsführer Lothar Guske erklärt. Die Kosten für einen solchen Test - rund 400 Euro - muss der Patient selbst tragen. Tests, die eine teure, aber vielleicht unnötige Krebstherapie verhindern, zahlen Krankenkassen hingegen in der Regel.

Die Kassen haben grundsätzliche Zweifel: Dass solche Tests die Behandlungsqualität wirklich verbessern, sei noch nicht bewiesen. Die bisher vorliegenden Daten zum Nutzen „bleiben insgesamt hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück“, heißt es in einem Grundsatzpapier des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen. Manchmal kämen zwei Tests bei ein und der selben Tumorprobe gar zu unterschiedlichen Ergebnissen.

  • dpa
Startseite
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%