Klicksonar für Blinde
Hören wie die Fledermaus

Sich überall frei bewegen, eigenständig auf Tour gehen - für viele blinde Menschen ist das noch ein Traum. Eine Methode zur Echo-Ortung nach Art von Fledermäusen könnte ihn wahr werden lassen.
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KölnFelix kann Mauern hören. Der Vierjährige ist von Geburt an blind. Trotzdem bewegt sich der Knirps forsch durch das Gebäude. Dauernd macht er ein klickendes Geräusch mit seiner Zunge. Der Junge nutzt eine Technik, die den Fledermäusen nacheifert.

Felix' Schnalzen und Klicken wird von Gegenständen als Schall reflektiert. So hört er, ob ein Hindernis im Weg steht, ob es im Treppenhaus rauf oder runter geht, ob eine Tür geöffnet oder geschlossen ist. Im Fachjargon heißt die Methode Klicksonar oder Echolokalisation, ist von einem blinden Amerikaner entwickelt worden - und findet nun auch in Deutschland erste Beachtung im Training mit Kindern.

Klicksonar biete große Chancen für blinde Jungen und Mädchen und gebe ihnen neue Möglichkeiten der Orientierung, sagt der Kölner Mobilitätstrainer Klaus Mönkemeyer. „Wenn Kinder die Technik bereits in der Frühförderung üben, fällt der Lernprozess mit wichtigen Entwicklungsphasen des Gehirns zusammen, das so von Anfang an lernt, sich einen Raum akustisch zu erschließen.“ Der Experte betont: „Wir gehen davon aus: Je jünger man damit anfängt, desto besser - auch wenn es dazu noch keine Studien gibt.“

Pilotversuch mit 13 Kleinkindern

Eine erste US-Untersuchung habe nachgewiesen, dass Echolokalisation Hirnareale aktiviere, die für die Orientierungsleistung zuständig sind. Das Verfahren erscheine zwar einfach, müsse aber methodisch strukturiert angeboten und systematisch erlernt werden.

Erfunden hat die Echo-Ortung der blinde Amerikaner Daniel Kish. Er sei Weltmeister in dieser Technik, die er sich als Kind selbst beibrachte, erzählt Mönkemeyer. Kish macht Bergwanderungen und fährt Mountainbike - und schult Blinde und Lehrer in mehreren Ländern.

Ende 2011 stellte Kish die Methode in Deutschland vor. Aber noch immer wissen hierzulande recht wenige von Klicksonar. Vor allem Angebote für den ganz jungen Nachwuchs sind selten. Das Lernprogramm in der Frühförderstelle der Kölner LVR-Severinschule sei in dieser Form bundesweit einmalig, sagt Koordinatorin Maria Lieven. Es steht Kindern ab zwei Jahren offen und wird bisher mit Spenden finanziert.

Auch Felix hat dort an einem Pilotversuch mit 13 Kleinkindern teilgenommen. Das Fazit nach anderthalb Jahren falle nun durchweg positiv aus, sagt Lieven. „Wir stehen mit den Kleinen noch am Anfang. Aber wir können sagen: Alle Kinder haben profitiert. Sie bekommen mehr Tempo und Sicherheit.“

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