Krankenkassen
Wie Ärzte bezahlt werden

Ungleichheiten im Gesundheitswesen sorgen immer wieder für Streit. Dabei geht es etwa um die Bevorzugung von Privatpatienten, die Unterversorgung auf dem Land oder ungleiche Honorare. Wie viel Geld Ärzte wofür bekommen, ist genau festgelegt.
  • 1

BerlinDie Krankenkassen stellen von den eingenommenen Beiträgen einen bestimmten Geldbetrag für die Bezahlung der Ärzte zur Verfügung – die sogenannte Gesamtvergütung. Im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ist festgelegt, wie viel eine medizinische Leistung wert ist: Den einzelnen Behandlungen werden Punktwerte zugeteilt. Zudem gibt es eine Empfehlung, wie viel Geld ein Punkt wert sein sollte. Derzeit liegt dieser sogenannte Orientierungswert bei 10,13 Cent pro Punkt.

Die Höhe des Punktwertes kann regional leicht von der Empfehlung auf Bundesebene abweichen. Das richtet sich nach verschiedenen Faktoren. So wird etwa einbezogen, wie sich die Gesundheit der Bevölkerung in der Region entwickelt und wie sich die Kosten für das Betreiben einer Praxis entwickeln.

Jeder Arzt bekommt zunächst einen Abschlag von seiner zuständigen regionalen Kassenärztlichen Vereinigung. Auf Basis seiner Abrechnung wird dann anhand der erbrachten medizinischen Leistungen, deren Punktwerten und dem Wert eines Punktes in der Region die genaue Höhe der Bezahlung ermittelt.

Die Bezahlung scheint für Ärzte aber nicht das alles entscheidende Kriterium bei der Standortwahl zu sein: Trotz höherer Verdienste ist die Arbeit in ländlichen Gebieten für viele offenbar unattraktiv. So herrsche etwa in Sachsen-Anhalt eine Unterversorgung, obwohl die Umsätze von Fachärzten dort um 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt lägen, heißt es in einem Gutachten des Gesundheitsforschungsinstituts Iges.

In Berlin dagegen erzielten niedergelassene Ärzte zwar deutlich geringere Verdienste. Dennoch gelte die Bundeshauptstadt als überversorgt. Dies zeige, „dass Vergütungsanreize nicht ausreichen, um das Problem der mangelnden Niederlassungsbereitschaft in ländlichen und strukturschwachen Regionen zu beheben“, heißt es in dem Gutachten.

In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung war kürzlich besonders bei Fachärzten eine Schieflage festgestellt worden: Demnach praktiziert etwa ein Drittel der Kinder-, Frauen- und Augenärzte in Großstädten, obwohl hier nur ein Viertel der Bevölkerung lebt. Auf einen Kinderarzt in der Stadt kämen beispielsweise derzeit 2405 Kinder, während ein Kollege auf dem Land für 3859 kleine Patienten zuständig sei.

Der Umsatz der Mediziner steigt aber nicht proportional mit der Anzahl der Patienten. Für einige Behandlungen gibt es eine Obergrenze – das ist die sogenannte Budgetierung. Ab einer gewissen Zahl bestimmter Behandlungen bekommen die Ärzte dafür weniger Geld. Davon sind etwa Vorsorgeuntersuchungen ausgeschlossen. Zum Honorar kommen noch Einnahmen aus der Behandlungen von Privatpatienten sowie Geld für sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen hinzu.

Von dem Honorar müssen die Ärzte dann etwa Praxiskosten, zum Beispiel für Personal, Miete, Energie und Versicherungen sowie medizinische Geräte, Steuern und den Beitrag für die eigene Krankenversicherung bezahlen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%