Kritik von Umweltschützern
Hormoncocktail in Kosmetikprodukten

Umweltschützer warnen: Hormonähnliche Chemikalien in Lippenstiften, Deos oder Sonnenmilch könnten Gesundheitsrisiken mit sich bringen. Sie fordern ein nationales Verbot bestimmter Stoffe.
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BerlinDie Warnung von Umweltschützern kann die Routine im Badezimmer ganz schön durcheinanderbringen. Ob Duschgel, Zahnpasta, Rasierschaum oder Lippenstift: Rund ein Drittel der in Deutschland gängigen Kosmetika enthielten Chemikalien, die sich negativ auf das Hormonsystem im Körper auswirken könnten, heißt es in einer neuen Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

„Gefährlich sein kann das vor allem für Schwangere und Kleinkinder“, sagte BUND-Expertin Sarah Häuser. Verboten sind die Substanzen aber nicht. Manche stehen bisher allein im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu mindern, die Pubertät früher beginnen zu lassen oder bestimmte Krebsarten mit auszulösen.

Für seine Studie hat der BUND mehr als 60.000 Körperpflegeprodukte auf ihre Inhaltsstoffe gecheckt. Im Visier der Tester waren vor allem 15 Substanzen, die auch auf einer EU-Liste als potenzielle hormonelle Schadstoffe geführt werden. Dazu gehören Stoffe mit fast unaussprechlichen Namen wie Ethylhexyl Methoxycinnamate, oder 4-Methylbenzylidene Camphor, die zum Beispiel in UV-Filtern von Sonnencremes vorkommen. Andere Chemikalien sind in Haarfärbemitteln, Hautpflege- oder Hautschutzmitteln enthalten.

Solche Substanzen könnten im Körper ähnlich wie weibliche Hormone wirken, sagte BUND-Expertin Häuser. In der Vergangenheit habe es vermehrt gesundheitliche Auffälligkeiten gegeben, was nachdenklich stimmen müsse: verminderte Spermienqualität bei jungen Männern, missgebildete Geschlechtsorgane bei männlichen Babys oder hormonbedingte Krebsarten wie Brust- oder Prostatakrebs.

Vor allem die Marktführer schneiden beim BUND-Check schlecht ab: „Bei bei den großen Marken ist knapp die Hälfte der Produkte betroffen“, sagte der Leiter der Untersuchung, Jurek Vengels. Am stärksten verbreitet seien sogenannte Parabene. Sie sollen Kosmetika vor Verderb schützen.

Vor einer generellen Diskriminierung bestimmter Substanzen warnt der Toxikologe Thomas Platzek vom Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Seiner Einschätzung nach haben sich etwa Methyl- und Etyhlparaben als sicher erwiesen. „Diese Stoffe sind auch in Lebensmitteln enthalten“, sagt Platzek. Andere seien allerdings umstritten. „Auf EU-Ebene wird diskutiert, die Grenzwerte von Propyl- und Butylparaben um die Hälfte abzusenken“, ergänzt Platzek.

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„Nationaler Alleingang“ wenig hilfreich

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