Lachen als Medizin
Klinik-Clowns fordern öffentliche Mittel

Ob in Krankenhäusern oder Hospizen: Wo vielen nur nach Weinen zumute ist, sorgen Klinik-Clowns für Aufmunterung. Die Einsätze erfordern nicht nur viel Fingerspitzengefühl. Sie kosten auch Geld.
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BerlinNormalerweise reisen sie an, um in Krankenzimmern mit Zaubereien und kleinen Späßen gute Laune zu verbreiten. In diesen Tagen jedoch dienen rote Nasen und Ringelshirts einem anderen Zweck: Rund 100 Klinik-Clowns und ihre Unterstützer werden am Mittwoch zu einer Demonstration in Berlin erwartet. Dabei wollen sie um mehr Anerkennung und Unterstützung aus öffentlichen Töpfen kämpfen.

Flächendeckend mehr Patienten in Deutschland bei ihrem Heilungsprozess zu unterstützen, das ist das Anliegen von elf regionalen Vereinen, die im Dachverband „Clowns in Medizin und Pflege“ organisiert sind. Sie finanzieren die Einsätze von rund 200 professionellen Clowns bundesweit bislang allein durch Spenden.

Die Idee von Clown-Visiten bei kranken Kindern stammt aus den Vereinigten Staaten. Seit Beginn der 1990er Jahre hat sie sich im deutschen Klinikalltag durchgesetzt - auch erwachsene Patienten sind dabei in den Fokus gerückt. Dass Humor bei ihnen ebenso wie beim Klinikpersonal stressreduzierend wirkt, haben Studien gezeigt.

„Uns erreichen viele Anfragen, ob wir nicht auch auf Reha-Stationen oder in Seniorenheimen vorbeikommen könnten“, sagt Kristine Müller von den Klinik-Clowns Hamburg. Sie ist seit rund zehn Jahren mit Pappnase in Kinderkliniken unterwegs. „Spender haben oft das Wohl von Kindern im Sinn, aber Geld für andere Einsatzorte fehlt.“ Da Spenden unregelmäßig eingehen, sei man bei der Planung zudem wenig flexibel.

Diese Erfahrungen teilt Elisabeth Makepeace, erste Vorsitzende des Dachverbandes, der in diesen Tagen sein zehnjähriges Bestehen feiert. Nicht nur die regelmäßige Aus- und Weiterbildung der angeschlossenen Clowns ist dem Verein ein Anliegen. Ziel ist es auch, Zuschüsse aus der öffentlichen Hand zu erhalten - „nach dem Vorbild anderer Länder“, wie Makepeace sagt.

Für die Clowns ist das auch eine Frage der Anerkennung: „Natürlich erhalten sie Lob von Patienten, Angehörigen und Personal, aber in der Öffentlichkeit ist oft gar nicht bekannt, dass die Arbeit als Klinik-Clown mehr ist als ein Hobby“, betont Makepeace. Dabei stecken hinter der Maskerade meist freischaffende Künstler, Schauspieler und Artisten. 300 Euro kostet ein dreistündiger Klinik-Besuch zweier Clowns, die dafür oftmals weite Anfahrten auf sich nehmen.

Eine „tollpatschige Identifikationsfigur“ für erkrankte Kinder zu sein, das ist auch für Kristine Müller kein Vollzeit-Job. Maximal zwei Visiten machen die Clowns wöchentlich. „Es darf nicht zur Routine werden“, sagt die 48-Jährige. Nicht umsonst verpflichten sich die Clowns im Verband einem ethischen Kodex, der Auftreten und Verhalten in den Einrichtungen regelt. „Leider gibt es auch schwarze Schafe, denen es an der nötigen Professionalität im Umgang mit Schwerkranken und Angehörigen mangelt“, sagt Makepeace.

Eine instinktive Angst vor Clowns sei gerade bei Kindern nicht selten, ergänzt Kristine Müller. Damit müsse man umgehen können, schon allein durch dezente Schminke und ein schlichtes Kostüm. Kranke mit Lachen anzustecken gelinge dann meistens. Solange den Clown-Vistiten jedoch Grenzen gesetzt sind, müssen andere mit dem klinischen Ernst brechen: Zumindest die Leipziger Initiative „Arzt mit Humor“ setzt mit Schulungen seit kurzem direkt bei den Ärzten an.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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