Masern und Mumps
Regierung will Eltern zur Impfberatung verpflichten

Viele Kinderkrankheiten sind bis heute nicht ausgerottet - auch weil manche Eltern ihre Kinder lieber nicht impfen lassen wollen. Die Regierung plant deshalb eine Pflichtberatung. Den Ärzten geht das nicht weit genug.
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Bevor Eltern ihr Kind in eine Kita schicken, sollen sie künftig eine verpflichtende Impfberatung absolvieren. Diese Regelung wurde nach Angaben des Gesundheitsministeriums kurzfristig in das umfassende Präventionsgesetz aufgenommen, das in der kommenden Woche das Kabinett passieren soll. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte am Mittwoch entsprechende Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Eine Impfpflicht sei aber nicht geplant.

Bei der Kita-Anmeldung sollen die Eltern in Zukunft einen Nachweis vorlegen, dass sie ärztlich über die notwendigen Impfungen beraten wurden. „Wir wollen damit die Eltern an die Impfempfehlungen erinnern und die Impfraten erhöhen“, erklärte die Sprecherin.

Trotz aller Aufklärungskampagnen ist es bislang nicht gelungen, Kinderkrankheiten wie Masern oder Mumps auszurotten. Kinderärzte sehen dies mit Sorge, zumal in Deutschland immer mehr Kleinkinder in Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden. Gerade sie haben ein erhöhtes Risiko, an Spätfolgen wie der tödlichen Maserninfektion SSPE zu erkranken.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jens Spahn, unterstützt das Vorhaben von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (beide CDU). Man müsse beim Eintritt in den Kindergarten „ein bisschen mehr Druck machen“, sagte Spahn dem Fernsehsender n-tv. Impfgegner zweifeln den Sinn von Impfungen grundsätzlich an. Spahn sieht darin „fast eine Form von Wohlstandsverwahrlosung“.

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt die Regierungspläne. „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, um die Impfquoten in Deutschland zu erhöhen“, sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann. Der Verband fordert jedoch eine Impfpflicht für alle Kinder in öffentlichen Kitas und Schulen. Dies lehnt Spahn zum jetzigen Zeitpunkt ab: „Das ist ein sehr hartes Mittel.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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