Medizin
Mit Magneten aus dem Koma

Nach schweren Hirnverletzungen, wie sie etwa Formel-1-Legende Michael Schumacher erlitten hat, liegen Patienten oft jahrelang im Koma. Mit einer neuen Technik versuchen US-Mediziner, sie wieder zu Bewusstsein zu bringen.
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BerlinSechs Jahre hatte der Amerikaner Josh Villa nach einem Autounfall im Koma gelegen, und die ersten Worte, die er schließlich herausbrachte, waren „Geh raus“. Das sei zwar nicht gerade sehr höflich gewesen, schmunzelt Theresa Pape, dennoch war dieser Moment für die Ärztin am Hines Veteran Affairs Hospital in Illinois, USA, etwas ganz Besonderes.

Villa war der erste Koma-Patient, an dem die sogenannte Magnetische Hirnstimulation ausprobiert wurde – mit Erfolg, denn seine Chancen, nach so langer Zeit von allein wieder zu Bewusstsein zu kommen, lagen bei bestenfalls 20 Prozent. Inzwischen hat Pape mit der Magnettechnik den Zustand von zwei weiteren Komapatienten verbessern können.

Bei der „Transkranialen Magnetischen Hirnstimulation“ (TMS) wird dem Patienten eine Spule an den Kopf gehalten, die ein starkes Magnetfeld erzeugt, so dass die Nervenzellen im Gehirn reanimiert werden. Denn das Problem von Langzeit-Komapatienten ist, dass die Nervenzellen nach schweren Hirnverletzungen, wie sie etwa der ehemalige Formel-Eins-Weltmeister Michael Schumacher erlitten hat, in einen Ruhezustand fallen, um das verletzte Gehirn vor weiteren Schäden zu bewahren.

Nicht alle Patienten schaffen es aus eigener Kraft, diesen Ruhezustand zu beenden. Deshalb versuchen Ärzte, das Gehirn mit Medikamenten, vorsichtigen Elektroschocks oder eben magnetischer Stimulation aufzuwecken.

Starthilfekabel ins Gehirn

Dass die Stimulation der Hirnzellen, die nach schweren Kopfverletzungen oft in einen natürlichen Ruhezustand fallen, den komatösen Zustand beenden können, haben Forscher auch schon mit anderen Methoden nachweisen können. So weckten etwa Neuromediziner vom Weill Cornell Medical College in New York einen 38-Jährigen auf, der nach einem Raubüberfall sechs Jahre lang im Koma gelegen hatte und dabei nur vereinzelt auf Stimmen und andere Reize reagierte. Ihm wurden Elektroden ins Gehirn geführt, um die Hirnzellen mit feinsten Stromstößen anzuregen. Inzwischen kann der Patient wieder selbst essen und sogar ein wenig sprechen.

Diese sogenannte Tiefenhirnstimulation wird auch bei Parkinson, Depressionen, Multipler Sklerose und anderen Hirnerkrankungen erfolgreich eingesetzt. Allerdings handelt es sich um einen komplizierten chirurgischen Eingriff, der noch dazu an einem ohnehin schwer geschädigten Gehirn durchgeführt werden muss.

TMS dagegen kann zwar unter Umständen Krampfanfälle auslösen, hat aber den Vorteil, dass der Schädel nicht geöffnet werden muss. Seit 2008 ist die magnetische Stimulation, die auch für die Behandlung von Migräne-, Schlaganfall- und Parkinson-Patienten erwogen wird, in den USA für die Behandlung von Depression zugelassen. Und auch wenn die Wirksamkeit der Methode gegen diese oft unterschiedlich ausgeprägte psychische Erkrankung noch umstritten ist, scheint sie vergleichsweise komplikationslos und nebenwirkungsarm zu sein.

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