Medizintechnologie

Wundermittel Spinnenseide

Egal ob Lepra, Hautkrebs oder Karies: Seit Jahrhunderten setzen Ärzte auf die heilende Wirkung von Spinnenseide. Heutzutage tüfteln Forscher mit dem Material, um Implantate oder Pflaster zu entwickeln.
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Spinne in ihrem Netz: Schon seit Jahrhunderten schätzen Mediziner die Möglichkeiten der Seidenfäden. Quelle: dpa

Spinne in ihrem Netz: Schon seit Jahrhunderten schätzen Mediziner die Möglichkeiten der Seidenfäden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMit Ekel, Panik oder Mordgelüsten reagieren hierzulande viele Menschen auf den Anblick von Spinnen – wiewohl es in Europa gar keine ernsthaft gefährlichen Vertreter dieser Tiergruppe gibt. In anderen Regionen der Erde haben die achtbeinigen Gliedertiere – beschrieben sind über 43.000 Spezies – ein deutlich besseres Image; dort gelten sie als weise, geduldig, fleißig, schlau und sogar heilig.

Auch Ärzte schätzten Spinnen bereits vor Jahrhunderten. Sie setzten die Seidenfäden für innerliche und äußerliche Therapien ein, zum Beispiel bei Lepra, Hautkrebs, Karies, Asthma, Nagelbettentzündungen und Angstzuständen. Plinius der Ältere berichtete über die Wundversorgung mit offenbar blutstillenden, entzündungshemmenden und antibakteriellen Spinnennetz-Verbänden. Selbst in William Shakespeares „Sommernachtstraum“ ist von Erste-Hilfe-Spinnengewebe bei Fingerverletzungen die Rede.

Trotz dieser anekdotischen bis komödiantischen Quellen gehört die Geschichte von der heilenden Spinnenseide keineswegs ins Reich der Märchen. Im Gegenteil. Wissenschaftler und Biotechnologie-Unternehmer machen sich das seit Jahrzehnten erforschte Material zunutze, um daraus Medizinprodukte für Therapie und Diagnostik zu entwickeln. Weltweit laufen Versuche, die zeigen sollen, ob Spinnenseide etwa als Implantat, Pflaster oder Wirkstoff-Abgaberegulator in Medikamenten taugt.

Denn der „Wunderwerkstoff“, in den auch Experten für Elektronik und Optik große Hoffnungen setzen, übertrifft viele andere Materialien: Spinnenseide besteht aus Proteinen; deren spezielle Struktur macht die Fasern einerseits extrem elastisch, dünn und leicht, außerdem wasserfest und hitzebeständig. Gleichzeitig übertrumpfen bestimmte Spinnenfäden in puncto Festigkeit sogar Kevlar – aus dieser synthetischen Faser werden etwa Motorradbekleidung und kugelsichere Westen hergestellt.

Spinnenseide ist Nylon überlegen
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