Mikrochip statt Spritze
Die nächste Dosis kommt vom Chip

Ob Spritze oder Pille – im Alltag fällt es vielen Patienten schwer, ihre Medikamente pünktlich zu nehmen. Implantierte Chips mit Medikamenten-Reservoirs könnten Therapien einfacher und erfolgreicher machen. 
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Cambridge (Massachusetts)Es klingt nach Science Fiction, doch als Michael Cima seine Idee erstmals ins Laborbuch skribbelt, zeigt der Kalender nicht das Jahr 2100, sondern den 4. Juni 1993. Der Ingenieur der Materialwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA, will einen computergesteuerten Mikrochip mit winzigen Kammern bauen und Patienten implantieren, damit Medikamente berühungslos und vom Computer des Arztes gesteuert freigesetzt werden – ganz ohne lästiges Spritzen oder Herunterwürgen von Pillen.

Weltweit halten sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO nur die Hälfte der Patienten an ihre Therapiepläne. Insbesondere von Patienten mit chronischen Erkrankungen ist bekannt, dass sich nach einem Jahr nur noch die Hälfte an das Medikamentenregime hält. Kein Wunder also, dass allein in Deutschland rund ein Fünftel aller Medikamente ungenutzt weggeworfen werden.

Aber sei es nun Vergesslichkeit, Bequemlichkeit oder Angst vor Spritze und Nebenwirkungen – die Wirksamkeit einer Therapie schwindet, wenn die Compliance, die Therapietreue des Patienten, fehlt. Cimas Chips von der Größe einer Streichholzschachtel, die in einer kleinen Operation knapp unter der Gürtellinie unter die Haut geschoben werden, könnten bei Erkrankungen wie Osteoporose oder Diabetes eine kontinuierliche Therapie sicherstellen. Patienten würde so ein Leben ohne Therapieplan und Spritzbesteck in der Handtasche ermöglicht.

Nur ein Chip für verschiedene Anwendungen

Nach ersten erfolgreichen Laborversuchen startete Cima 1999 in Lexington bei Boston, USA, die Firma MicroChips, die zunächst jedoch implantierbare Biosensoren entwickelte, um beispielsweise den Zuckerspiegel von Diabetespatienten kontinuierlich zu überwachen. Aufwändig und kostspielig, denn für jede neue Anwendung muss eigens ein neuer Microchip entwickelt werden. Hingegen wäre ein Chip, der Medikamente freisetzen kann, für viele verschiedene Indikationen einsetzbar.

Langfristig könnten die Chips dann auch mit Biosensoren versehen werden, um zum Beispiel Zuckerkranken ein lebensrettendes Medikament zuzuführen, wenn der Blutzuckerspiegel stark sinkt und Bewusstlosigkeit droht. Auch die Kombination verschiedener Medikamente ist vorstellbar.

Doch all das ist noch Zukunftsvision. Laut Robert Farra, Geschäftsführer von MicroChips, braucht die Firma noch mindestens zwei Jahre Entwicklung und zwei Jahre klinische Tests an hunderten von Patienten, bevor an eine Zulassung des ersten implantierten MicroChips zur Medikamentengabe zu denken ist.

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