Nach Unfällen

Gesichtschirurgen setzen auf 3-D-Technik

Gesichter nach Maß mit Hilfe von Computern: Statt um mehr Schönheit geht es Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen um neue Lebensqualität nach Unfällen und Krebserkrankungen. Derzeit tagen sie in Mainz.
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Das Gesicht wieder herstellen: Chirugen nutzen immer häufiger 3-D-Technologien. Quelle: dpa

Das Gesicht wieder herstellen: Chirugen nutzen immer häufiger 3-D-Technologien.

(Foto: dpa)

Nach schweren Unfällen oder bei Tumorbehandlungen setzen Gesichtschirurgen verstärkt auf digitale 3-D-Technik und körpereigene Transplantate. Solche Hochleistungsmedizin rette immer mehr Leben bei größtmöglicher Lebensqualität und Ästhetik, teilte die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) am Donnerstag in Mainz mit. Bei einem viertägigen Kongress wollten rund 500 Fachärzte bis zu diesem Samstag über neue Therapien diskutieren.

Beispielsweise könnten Transplantate vom Wadenbein mit 3-D-Technik passgerecht am verletzten Kopf eingesetzt werden, ohne dass es Folgeschäden fürs Bein gebe, sagte der Sprecher der Gesellschaft, Gerd Gehrke. „Ich hatte mal einen Patienten, der vier Wochen später wieder eine Bergwanderung gemacht hat.“

Unsere Welt in 3D
Blizzident2
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Die 6-Sekunden-Zahnbürste

Zweimal täglich sollte man seine Zähne mindestens drei Minuten putzen – jedenfalls mit einer herkömmlichen Zahnbürste. Mit der 3D-produzierten Variate von Blizzident geht das auch anders. Das Präzisionsgerät mit seinen 400 Borsten soll die Zähne in nur sechs Sekunden blitzblank putzen. Damit das Modell auch wie angegossen passt, wird vorher in einem Zahnlabor ein 3D-Modell der eigenen Zähne erstellt.

Nasa
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Hungrig im Weltall

3D-Drucker funktionieren bei weitem nicht nur mit Kunststoffen, wie dieses Projekt zeigt: Astronauten sollen sich ihre Pizza künftig selbst ausdrucken können – und das ohne frische Zutaten, denn die gibt es auf Langzeitmissionen im Weltall nicht. Die Entwicklung wurde von der US-Weltraumbehörde Nasa höchstpersönlich mit 125.000 US-Dollar finanziert.

SWITZERLAND 3D PRINTER
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Virale Produktion

Jeder frei verfügbare Bauplan aus dem Internet kann heruntergeladen und ausgedruckt werden. Die virale Blaupause schlechthin ist bislang wohl die einer Waffe. 3D-Drucker sind allerdings auch schon im Haushalt angekommen – ein Küchengerät dürfte also bald zum Viralitätssieger werden.

LayerWise
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Titan statt Knochen

3D-Drucker können auch für Implantate - beispielsweise aus Titanpulver - verwendet werden. Dabei werden Öffnungen ausgespart, damit sich die Muskeln besser mit dem Kiefer verbinden können, und das Implantat sich besser in den Körper integrieren kann. Die erste Person, der ein derartiger 3D-gedruckter Unterkiefer eingesetzt wurde, war eine 83-jährige Belgierin. Mehrere tausend Lagen wurden dafür miteinander verschmolzen.

Kamermaker1
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Der Traum vom eigenen Hausdruck

Von Europa bis Asien liefern sich Architekten ein Wettrennen darum, wer es schafft, als erster ein komplettes Haus aus dem 3D-Drucker zu bauen. Darunter ist auch das Team von DUS Architects, die in Amsterdam mit ihrem riesigen 3D-Drucker namens "KamerMaker" ein Haus am Kanal planen. Das Gerät kann Decken, Fenster, Türen und Möbel aus verschiedensten Materialien verarbeiten. 2014 soll das Haus fertig werden.

Die Chirurgen entnehmen die Körperteile mit Bohrschablonen so, dass sie genau in defekte Gesichtsteile passen. Körpereigenes Gewebe kann mit künstlichem Ersatz, der mit digitaler Hilfe geformt wird, ergänzt werden.

Der Oberarzt Felix Koch erklärte: „3-D-Technik spart Zeit bei der Operation und ist präzise.“ Die weltweit noch überaus seltene Verpflanzung kompletter Fremdgesichter dagegen sei mit gravierenden Einschränkungen, durchschnittlich kürzerer Lebenserwartung und sechsstelligen Kosten verbunden.

Der Leitende Oberarzt Bilal Al-Nawas stellte den Fall einer 51-jährigen Patientin mit einem fast kindskopfgroßen gutartigen Gesichts- und Schädeltumor vor. Nach dessen Entfernung hätten Operateure zur provisorischen Stabilisierung ein Titangitter eingesetzt.

Nach einer Spiegelung der gesunden Kopfhälfte seien Implantate aus Kunststoff für Schädel, Augenhöhle und Jochbein mit einem 3-D-Drucker gedruckt worden. Schon zwei Wochen nach der erfolgreichen Operation sei die Frau wieder zu Hause gewesen.

  • dpa
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