Personalengpässe
Hängepartie Pflege

Der Personalbedarf in der Pflege wird immer dringender. Private Anbieter und Verdi streiten um Tarifvertrag und Ausbildungsbereitschaft in dem Bereich. Immerhin: Lob gibt es für die Reform von Gesundheitsminister Gröhe.
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BerlinVon einem Pflegenotstand in Deutschland will Friedhelm Fiedler nichts hören. „Das können wir so nicht stehen lassen, denn das würde ja implizieren, dass wir eine schlechte Pflege hätten“, sagte der Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Pflege am Dienstag bei der Vorstellung neuer Branchenzahlen. Fakt sei aber, dass die Zahl der Pflegebedürftigen schneller wachse als die des Pflegepersonals. „Das ist das Problem, das wir lösen müssen“, betonte Fiedler.

Das Thema Pflege steht auch in der Bundesregierung weit oben auf der Tagesordnung. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat mit seiner Pflegereform für Erleichterungen bei Pflegebedürftigen und deren Angehörigen gesorgt. Die Beiträge steigen dafür im Gegenzug, doch das hat selbst die Wirtschaft akzeptiert. Der Arbeitgeberverband Pflege erteilt Gröhe und auch Karl-Josef Laumann, dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, für ihr bisheriges Wirken gute Noten: Die jetzige Bundesregierung sei die erste, die beim Thema Pflege etwas bewege.

Mit der Reform sind die Probleme aber nicht vom Tisch. Die Interessenvertretung der privatwirtschaftlichen Pflegeanbieter geht davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von 2,6 Millionen bis 2050 auf 4,2 Millionen steigen wird. Als Herausforderung nannte Fiedler die 1,5 Millionen Demenzkranken in Deutschland, deren Zahl jedes Jahr um 40.000 steigt. Schon heute fehlen nach Berechnungen des Verbandes aber 30.000 Pflegefachkräfte, am Ende des Jahrzehnts werden es 75.000 sein.

Die Gewerkschaft Verdi, die mittelfristig von einem fast doppelt so großen Personalengpass ausgeht, hält das Fachkräfteproblem dagegen für hausgemacht. Um Kosten zu sparen, hätten viele private Anbieter die Ausbildung vernachlässigt, kritisiert die zuständige Bundesvorstandsfrau Sylvia Bühler. Dass es bei der Ausbildung Defizite gibt, gesteht auch Fiedler ein. So begrüßt er, dass einige Bundesländer dazu übergegangen sind, Betriebe, die selbst nicht ausbilden, über eine Umlage an den Ausbildungskosten zu beteiligen. Danach sei die Zahl der Lehrstellen nach oben geschnellt.

Laut Verband starten im neuen Lehrjahr 25.000 Schulabgänger eine Pflegeausbildung, insgesamt bildet die Branche damit 60.000 Auszubildende aus – so viel wie noch nie. „Wenn einer sagt, die Pflege ist nicht attraktiv, dann ist das ein unschlagbares Argument dagegen“, sagte Verbandspräsident Thomas Greiner.

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