Pharmaforschung
Nachschub für die Dopingsünder

Pharmakonzerne arbeiten an der nächsten Generation von Medikamenten gegen Blutarmut. Die neuen Wirkstoffe sollen den Wirkstoff Epo überflüssig machen. Auch Diagnostik-Firmen und Pharmalabore können davon profitieren.
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FrankfurtMitte der 80er-Jahre gelang Forschern der damals noch kleinen US-Firma Amgen einer der größten Erfolge in der Biotechnologie. Mit Hilfe gentechnisch veränderter Bakterien produzierte sie erstmals das Hormon Erythropoietin (Epo), ein kompliziertes Eiweiß-Molekül, das die Bildung von roten Blutkörperchen anregt.

Einige Jahre später kam der Wirkstoff unter Namen wie Epogen oder Procrit auf den Markt und hat seither nicht nur die Behandlung von Blutarmut, etwa bei Dialysepatienten revolutioniert, sondern auch das Doping im Ausdauersport.

Für Amgen und einige weitere Firmen wurde Epo zum Milliardengeschäft. Mehrere Varianten des Wirkstoffs sind inzwischen auf dem Markt. In Europa vermarkten Generikafirmen wie die Novartis-Tochter Sandoz zudem die ersten Nachahmerprodukte zu den inzwischen patentfreien Originalmedikamenten. Für Nierenkranke wie für Dopingsünder haben sich damit immer wieder neue Optionen eröffnet, ihre Blutwerte aufzubessern.

Doch die Entwicklung der Anämiepräparate ist auch mit den Epo-Generika noch keineswegs ausgereizt. In den Labors der Pharmabranche, so etwa beim Bayer-Konzern, reift inzwischen vielmehr die nächste Generation von Medikamenten gegen Blutarmut und damit auch von potenziellen Dopingmitteln heran.

Dreh- und Angelpunkt für diese neue Medikamentenklasse ist der sogenannte Hypoxie-induzierte Faktor (HIF), ein Molekül, das die Reaktion von Körperzellen auf Sauerstoffmangel steuert - unter anderem, indem es das Gen für die Bildung von Epo aktiviert. HIF wiederum wird in den Zellen von einer anderen Substanz, der HIF-Prolyl-Hydroxylase (HIF-PH), kontrolliert und gebremst.

Genau an diesem Hebel setzt inzwischen mehr als ein halbes Dutzend Pharma- und Biotechunternehmen an: Sie testen Wirkstoffe, die HIF-PH blockieren und auf diese Weise indirekt die Bildung von körpereigenem Epo anregen sollen. Sie ahmen damit die Prozesse nach, die ausgelöst werden, wenn sich Menschen in großer Höhe aufhalten.

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Interesse an der Forschung ist deutlich gewachsen

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