Poröse Zähne

Viele Kinder leiden unter Schmelzbildungsstörung

Warum schon früh braune Zähne bei so vielen Kindern entstehen, können Ärzte nicht genau sagen. Worum es sich bei dem Phänomen handelt, mittlerweile schon: Eine Störung der Schmelzbildung. Durch sie werden die Zähne porös.
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Besuch bei Zahnarzt: An der Krankheit leiden etwa zehn Prozent aller Kinder. Quelle: dpa

Besuch bei Zahnarzt: An der Krankheit leiden etwa zehn Prozent aller Kinder.

(Foto: dpa)

BerlinDie Zähne sind verfärbt und stark hitze- und kälteempfindlich. Und das, obwohl sie gerade erst durchgebrochen sind: Kaum erscheinen die zweiten Zähne, leiden viele Kinder schon unter der sogenannten Molar Incisor Hypomineralization (MIH). „Das ist eine spezielle Form der Schmelzbildungsstörung“, sagt die Zahnärztin Ruth Santamaria von der Kinderzahnheilkunde des Greifswalder Universitätsklinikums. Die Krankheit tritt vor allem an den Molaren, den hinteren Backenzähnen auf, aber auch Schneidezähne (Incisivi) können betroffen sein - daher der Name.

In den Zähnen mit MIH seien weniger Mineralien vorhanden als in gesunden Zähnen, erklärt Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). So seien die Kalzium- und Phosphatkonzentrationen geringer. „Es erscheinen Porositäten“. Und dadurch entstehe auch Karies sehr viel schneller.

Wenn die betroffenen Backenzähne bei den Grundschulkindern durchbrechen, ist eine MIH heute schnell diagnostiziert. Noch vor wenigen Jahren war das anders: Denn die Diagnose MIH gab es bis vor kurzem in dieser Form noch nicht. Erst 2001 wurde das Phänomen unter dem Begriff Molar Incisor Hypomineralization (etwa: Mineralmangel der Backen- und Schneidezähne) gebündelt, schreiben Verena Knapp und Silke Marie Nies in der Fachzeitschrift „Zahnmedizin up2date“.

Außerdem sei die Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen heute sehr gut, sagt Oesterreich. Auch das war vor Jahren noch anders. Für die Zahnärzte war es dann schwer festzustellen: War der Zahn zuvor schon porös oder ist es eine normale Karies?

Etwa zehn Prozent der Kinder leiden nach Auskunft von Santamaria an MIH, fünf Prozent an der schweren Form, die mit deutlichen Überempfindlichkeiten oder Substanzverlust der Zähne einhergehe. Bei Erwachsenen ist eine Einschätzung über die Verbreitung schwieriger: Hatten sie eine MIH, wurde die betroffenen Zähne wahrscheinlich schon restauriert - dann ist eine Diagnose nicht mehr möglich.

Weil sich die Wissenschaft in den vergangenen Jahren zunehmend mit der MIH beschäftigt hat, ist schwer einzuschätzen, ob das Phänomen als solches zunimmt. Es macht zumindest den Anschein, sagt Oesterreich, aber: „Ist es eine relative oder absolute Zunahme?“ Gebe es also tatsächlich immer mehr Fälle oder ist die Diagnostik heute besser möglich? Fakt sei, dass durch die regelmäßige Vorsorge heute stärker differenziert werden könne, ob die Zähne porös sind oder ob ein ursprünglich gesunder Zahn eine Karies entwickelt hat.

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Weiterhin unklar ist allerdings, warum die MIH entsteht. „Hinsichtlich der Ursache weiß man wenig“, sagt Oesterreich. Im Gespräch seien zum Beispiel Probleme während der Schwangerschaft, die den Prozess der Zahnentwicklung stören. Auch ein Sauerstoffmangel bei oder nach der Geburt werde als Ursache diskutiert, sagt Santamaria.

Im Verdacht stünden zudem Ereignisse im Kleinkindalter wie Infektionen mit Fieber, die Einnahme von Antibiotika und Erkrankungen der Luftwege sowie Dioxin in der Muttermilch, sagt Oesterreich. Wahrscheinlich ist es ein Mix aus unterschiedlichen Faktoren, der die MIH verursacht. Solange die Ursache nicht eindeutig feststehe, bleibe auch die Vorbeugung schwierig, sagt Santamaria.

Für die Behandlung wenden die Ärzte unterschiedliche Methoden an. Entdecken sie die MIH früh, versiegeln sie normalerweise die Zähne, erklärt Santamaria. Füllungen und Kronen kommen bei den schwereren Fällen zum Einsatz. Bei sehr schweren Fällen müssen die Ärzte entscheiden: „Ist dieser Zahn langfristig erhaltungswürdig?“, erläutert Oesterreich. Falls der Zahn gezogen werden müsse, lasse sich die Lücke oft schließen - zumindest bei den Backenzähnen. Bei den Frontzähnen werde das schwieriger.

  • dpa
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