Prostatakrebs
Urologen raten von Massenscreenings ab

Jährlich sterben rund 11.000 Männer in Deutschland an Prostatakrebs. Eine Früherkennung mittels Bluttest ist möglich - aber umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) will die hitzige Debatte beruhigen.
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Düsseldorf/DresdenMit einem Bluttest können Ärzte das Risiko für Prostatakrebs abschätzen, Frühstadien erkennen und die Zahl tumorbedingter Todesfälle senken. Vom PSA-Test als generelles Früherkennungsprogramm rät die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) dennoch ab. Die Endergebnisse langjähriger internationaler Studien stünden noch aus, erklärte Präsident Michael Stöckle vor dem Jahreskongress der Gesellschaft Mitte September. Nur sie erlaubten eine Schaden-Nutzen-Betrachtung für ein generelles PSA- Screening. Der Bluttest, mit dem Ärzte das Risiko abschätzen und Frühstadien erkennen können, sei umstritten, auch wegen Desinformation der Öffentlichkeit.

Warum ist die PSA-Früherkennung des Prostatakarzinoms umstritten?
Wie bei jedem Früherkennungsprogramm werden Befunde und Krankheitsstadien entdeckt und oft behandelt, deren Nichtentdeckung und Nichtbehandlung den Betroffenen nicht geschadet hätten. In der Folge kann es auch beim PSA-Test zu Überdiagnostik und Übertherapie kommen. Deren tatsächliches Ausmaß wird aber erst die endgültige Auswertung der europäischen PSA-Screening-Studie (ERSPC) zeigen. In der Öffentlichkeit werden jedoch immer wieder Zwischenergebnisse als vermeintliche Endergebnisse präsentiert - und sorgen für hitzige Kontroversen um den PSA-Test.

Wird der PSA-Test schon erfolgreich anderswo eingesetzt?
Eine flächendeckende Screening-Empfehlung gibt es derzeit in keinem Land der Welt. Seit Einführung des PSA-Tests in den USA ist die Sterblichkeit dort um rund 35 Prozent gesunken, die Häufigkeit metastasierter Prostatakarzinome sogar um 50 Prozent. Für die USA gibt es seriöse Hochrechnungen, wonach sie sich bei einer Abschaffung des Tests innerhalb von zehn Jahren verdreifachen würde. Auch in Deutschland ist die Sterblichkeitsrate während der letzten Jahre gesunken, wenn auch nicht im gleichen Umfang wie in den USA.

Aber auch die DGU sieht einen Massentest kritisch, was wäre aus Ihrer Sicht denn der richtige Weg?
Ein Massenscreening wie etwa beim Brustkrebs wird aufgrund der heutigen Studienlage noch nicht empfohlen. Wir plädieren für eine bestmögliche Aufklärung früherkennungsinteressierter Männer und auch der Öffentlichkeit über Vor- und Nachteile. Derzeit sollte jeder Mann selbst entscheiden, ob er einen PSA-Test macht. Das persönliche Erkrankungsrisiko, Lebensalter und geschätzte Lebenserwartung sollten dabei immer berücksichtigt werden. Vor allem Männer, deren Angehörige bereits in sehr jungem Alter erkrankt sind, haben ein vier- bis fünffach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Familiäre Prostatakarzinome treten nämlich ungefähr zehn Jahre früher auf als sporadische.

Also ist die Kritik am Masseneinsatz des Bluttests berechtigt?
Eine abschließende Schaden-Nutzen-Bewertung des PSA-Tests ist noch nicht möglich. Der beste Umgang mit dem PSA-Test ist derzeit in der S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms definiert. Das heißt: bestmögliche Aufklärung der früherkennungswilligen Männer, differenzierter Einsatz des Tests auf der Grundlage des besten und jeweils aktuellsten medizinischen Wissens. Der Test muss betrachtet werden wie ein hochwirksames Medikament - wohldosiert segensreich, aber falsch eingesetzt kann es schädlich sein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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