Schiffsärzte
Notfalleinsatz auf hoher See

Was tun, wenn auf hoher See an Bord ein Virus ausbricht oder ein Passagier sich schwer verletzt? Auf Kreuzfahrtschiffen sind Ärzte oft für Tausende Patienten zuständig. Mit speziellen Trainings bereiten sie sich vor.
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BerlinKonzentriert hält die Ärztin den Knochenbohrer an ein Eisbein. In Sekundenschnelle bohrt sie eine Stahlkanüle ins Mark. Der Handgriff am Übungsobjekt sitzt.

„Im Notfall lassen sich Medikamente schnell und sicher über eine Infusion in die Knochenmarkshöhle verabreichen“, erklärt Professor Olaf Schedler vom Unfallkrankenhaus (UKB) Berlin. Im dortigen Zentrum für Notfalltraining bereitet er Mediziner auf ganz besondere Einsätze vor: Als Schiffsärzte arbeiten sie regelmäßig auf Kreuzfahrtschiffen und sind dort wochenlang für Tausende Passagiere zuständig - häufig mit nur einem Kollegen im Wechsel.

„Schiffsärzte kommen oft aus dem ganz normalen Praxisalltag und sind keine typischen Notfallmediziner“, sagt Schedler. Dabei können auch auf hoher See Notfälle passieren - ob Beinbruch, Geburt, Herzinfarkt oder ein Noroviren-Ausbruch. Allein in diesem Jahr registrierte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde bereits sechs solcher Ausbrüche mit mehreren Hundert Kranken auf internationalen Kreuzfahrtschiffen.

„Nicht immer können Patienten schnell abgeholt oder ausgeschifft werden. Daher muss jeder Handgriff sitzen“, sagt Schedler, während seine Kursteilnehmer an einem Schweinetorso weitere Techniken üben. Unter ihnen ist auch Sabine Schmiel aus Nordrhein-Westfalen. Seit 2012 ist sie neben ihrer Arbeit als Notärztin wochenweise auf den Weltmeeren unterwegs. „Wir haben jeweils etwa 3000 Passagiere an Bord“, erzählt Schmiel, die auf dem Roten Meer und dem Atlantik schon Herzinfarkte und Knochenbrüche bei Passagieren oder auch Schnittwunden beim Schiffskoch behandeln musste.

Schiffsärzte werden zunehmend gebraucht, denn die Branche boomt. „2012 hat die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere in Europa einen Rekord von 6,1 Millionen erreicht“, berichtet Miriam Lüthje vom deutschen Büro des weltweit größten Kreuzfahrtschiffverbands, der Cruise Lines International Association (CLIA). Und je nach Schiffsgröße müsse eine bestimmte Anzahl von Ärzten und Pflegern an Bord sein. In der Regel sei es aber unproblematisch, Ärzte zu gewinnen, da die Einsätze sehr beliebt seien.

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