Startschuss für Mega-Studie
Woher kommen die großen Volkskrankheiten?

Es ist ein wissenschaftliches Mammutprojekt: 200 000 Männer und Frauen aus ganz Deutschland werden untersucht, befragt und über Jahre begleitet. Forscher wollen so herausfinden, woher die großen Volkskrankheiten kommen.
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Startschuss für Deutschlands bislang größte Gesundheitsstudie: In den kommenden Jahren sollen bundesweit rund 200.000 Menschen zwischen 20 und 69 Jahren untersucht und befragt werden. Die Mega-Studie, die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Montag in Essen offiziell startete, soll neue Erkenntnisse über die Entstehung von Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz liefern.

Zwei Drittel aller Todesfälle in Deutschland haben ihre Ursachen in Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Schlaganfall, Krebs oder sind Folge einer Diabetes-Erkrankung. Zudem gibt es in der Bevölkerung auch altersbedingt immer mehr Menschen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, zum Beispiel durch Lungenkrankheiten oder Erkrankungen des Bewegungsapparats. Die Forscher erhoffen sich von der Studie, die weit über 20 Jahre laufen soll, mehr Wissen über den Einfluss von Umweltbedingungen, genetischen Faktoren, Infektionen, Stress, aber auch des Lebensstils auf die Entstehung solcher Krankheiten.

Die zufällig ausgewählten Teilnehmer werden im Rahmen der sogenannten Nationalen Kohorte in einem von bundesweit 18 Studienzentren medizinisch untersucht und zu ihren Lebensumständen und Lebensgewohnheiten, zum Beispiel Ernährung, Beruf und körperlicher Aktivität, befragt. Außerdem werden Blutproben genommen, die für spätere Forschungsprojekte zentral gelagert werden. Nach etwa fünf Jahren werden alle Teilnehmer zu einer zweiten Untersuchung eingeladen und über zehn bis 20 Jahre weiter beobachtet, um zu schauen, welche Erkrankungen auftreten.

Der Erfolg der Studie steht und fällt vor allem mit der Beteiligung der Bevölkerung. Wanka appellierte deshalb an die zu der Studie eingeladenen Bürger, sich zu den Untersuchungen zu melden. Die Aussagekraft der Studienergebnisse sei "umso größer, je höher die Zahl der Beteiligten ist, und hiervon profitieren wir zukünftig alle", erklärte die Ministerin.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, die Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung der Erkrankungen erheblich zu verbessern. Dazu wollen die Forscher unter anderem herausfinden, ob bestimmte Faktoren die Entstehung von Krankheiten begünstigen und wie zum Beispiel Umweltbedingungen oder die genetischen Anlagen zusammenwirken.

Das besondere an dieser Studie ist die große Teilnehmerzahl und die Beobachtung über einen so langen Zeitraum, was die Analyse vieler Forschungsfragen ermöglicht. Zudem sind im Gegensatz zu anderen Studien auch viele jüngere Menschen dabei. Anhand der Daten von Teilnehmern, die im Laufe der Studie erkranken und nicht Erkrankten kann zum Beispiel besser untersucht werden, ob und in welchem Maße ein Faktor das Krankheitsrisiko beeinflusst.
Die Auswahl geschieht per Zufallsverfahren aus den Einwohnermeldeämtern. Eine freiwillige Teilnahme ist nicht möglich.

Finanziert wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium, von 14 Bundesländern und der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren mit zunächst insgesamt 210 Millionen Euro. An der Studie sind unter anderem bundesweit 14 Universitäten, vier Helmholtz-Zentren und vier Leibnitz-Institute beteiligt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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