Startschuss für Mega-Studie

Woher kommen die großen Volkskrankheiten?

Es ist ein wissenschaftliches Mammutprojekt: 200 000 Männer und Frauen aus ganz Deutschland werden untersucht, befragt und über Jahre begleitet. Forscher wollen so herausfinden, woher die großen Volkskrankheiten kommen.
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Wie gesund sind wir und was macht uns krank: Die neue Studie begleitet 200 000 Männer und Frauen über einen Zeitraum von bis zu zwanzig Jahren. Quelle: dpa

Wie gesund sind wir und was macht uns krank: Die neue Studie begleitet 200 000 Männer und Frauen über einen Zeitraum von bis zu zwanzig Jahren.

(Foto: dpa)

Startschuss für Deutschlands bislang größte Gesundheitsstudie: In den kommenden Jahren sollen bundesweit rund 200.000 Menschen zwischen 20 und 69 Jahren untersucht und befragt werden. Die Mega-Studie, die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Montag in Essen offiziell startete, soll neue Erkenntnisse über die Entstehung von Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz liefern.

Zwei Drittel aller Todesfälle in Deutschland haben ihre Ursachen in Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Schlaganfall, Krebs oder sind Folge einer Diabetes-Erkrankung. Zudem gibt es in der Bevölkerung auch altersbedingt immer mehr Menschen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, zum Beispiel durch Lungenkrankheiten oder Erkrankungen des Bewegungsapparats. Die Forscher erhoffen sich von der Studie, die weit über 20 Jahre laufen soll, mehr Wissen über den Einfluss von Umweltbedingungen, genetischen Faktoren, Infektionen, Stress, aber auch des Lebensstils auf die Entstehung solcher Krankheiten.

Woran die Deutschen leiden
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Zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland gehören seelische Störungen. Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge leidet jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens mal an einer solchen Krankheit. Die häufigste Form ist die Depression, worunter etwa Angstzustände oder auch das Krankheitsbild des Burn-out-Syndroms fallen. Stress oder berufliche Überbelastung können Gründe sein.

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Schnupfen, Bronchitis, Husten: 17,4 Prozent aller Erkrankungen drehen sich um akute Infekte der oberen Atemwege, wie es im Barmer GEK Arztreport 2013 heißt. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören beispielsweise Krankheiten wie Nasennebenhöhlenentzündungen. Zu den besonders weit verbreiteten Atemwegserkrankungen zählt nach WHO-Schätzungen mit weltweit 235 Millionen Betroffenen Asthma.

Dicke Menschen sind einsam
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Ähnlich häufig wie Erkrankungen der Atemwege sind in Deutschland Probleme mit dem Fettstoffwechsel. Dazu gehört beispielsweise Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Eine Statistik der DKV zufolge sind rund 46 Prozent der Bevölkerung übergewichtig. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.

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Im Krankenhaus stehen Ärzte bei der Versorgung schwer übergewichtiger Menschen vor einer Herausforderung. Denn durch das hohe Gewicht können die Patienten empfindlicher auf Mittel wie Sedativa und Narkosemittel reagieren. Deswegen müssen während Operationen Werte wie die Herzfrequenz oder der Blutdruck noch sicherer kontrolliert werden. GE Healthcare hat bestimmte Parameter entwickelt, um die Patienten während des Eingriffs besser überwachen zu können und ihnen im Anschluss eine bessere Erholung zu ermöglichen.

Diabetes
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Zu den Fettstoffwechselstörungen gehört unter anderem der Diabetes mellitus, im Volksmund nennt man ihn auch Zuckerkrankheit. Man unterscheidet zwischen Typ 1 und Typ 2, wobei letzterer die mit Abstand häufigere Diabetes-Form ist. 2012 litten 371,33 Millionen Menschen weltweit an Diabetes - 2030 sollen es laut International Diabetes Federation schon 551,87 Millionen sein.

OECD-Vergleich zur Gesundheit
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Vier von fünf Erwachsenen haben mindestens einmal in ihrem Leben Probleme mit dem Rücken. Laut des Statistischen Bundesamtes kostet das Kreuz mit dem Kreuz die Volkswirtschaft jedes Jahr rund 20 Milliarden Euro. Übergewicht, monotones Arbeiten, Bewegungsmangel oder psychischer Druck gehören zu den Risikofaktoren, die das Robert-Koch-Institut definiert.

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Eine zunehmende Bedrohung gerade im Alter stellen Demenzerkrankungen dar. Gegenüber dem Jahr 2007 erwarten Experten, dass die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 um 113 Prozent steigen wird. Die häufigste Form von Demenz war 2011 nach Angaben des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit 65 Prozent die Alzheimer-Demenz, die immer noch unheilbar ist.

Die zufällig ausgewählten Teilnehmer werden im Rahmen der sogenannten Nationalen Kohorte in einem von bundesweit 18 Studienzentren medizinisch untersucht und zu ihren Lebensumständen und Lebensgewohnheiten, zum Beispiel Ernährung, Beruf und körperlicher Aktivität, befragt. Außerdem werden Blutproben genommen, die für spätere Forschungsprojekte zentral gelagert werden. Nach etwa fünf Jahren werden alle Teilnehmer zu einer zweiten Untersuchung eingeladen und über zehn bis 20 Jahre weiter beobachtet, um zu schauen, welche Erkrankungen auftreten.

Der Erfolg der Studie steht und fällt vor allem mit der Beteiligung der Bevölkerung. Wanka appellierte deshalb an die zu der Studie eingeladenen Bürger, sich zu den Untersuchungen zu melden. Die Aussagekraft der Studienergebnisse sei "umso größer, je höher die Zahl der Beteiligten ist, und hiervon profitieren wir zukünftig alle", erklärte die Ministerin.

Warum die Diagnose für uns wichtig ist
Angst vor Krankheit
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In einer von Millward Brown durchgeführten Umfrage im Auftrag von GE sind 10.000 Personen aus zehn Ländern befragt worden. Dabei ist herausgekommen, dass 74 Prozent der Menschen es wissen wollen, wenn sie an einer neurologischen Krankheit leiden – selbst, wenn keine Chance auf Heilung besteht. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Kein Kopfkino  
Rund 36 Prozent der Befragten geben an, dass eine Diagnose ihnen endlich Gewissheit über ihren Zustand geben würde. Das Kopfzerbrechen über eine mögliche Krankheit ist damit beendet. Die Ungewissheit ist vorbei, da der Befund vorliegt.

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Die verbleibende Zeit nutzen
Selbst wenn sie eine unheilbare neurologische Krankheit hätten, wäre es 36 Prozent der Umfrageteilnehmer wichtig den Befund zu kennen, damit sie ihre persönlichen Ziele so weit wie möglich noch erreichen können.

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Zeit mit der Familie genießen
48 Prozent der Befragten geben an, dass sie ihre Diagnose kennen wollen, damit sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen können. So können sie so viele gemeinsame Stunden wie möglich im Kreise ihrer Liebsten verbringen.

Testament
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Persönliche Dinge regeln
Egal, ob Testament oder Patientenverfügung: Rund 49 Prozent der Umfrageteilnehmer möchten die Zeit nutzen, um im Vorfeld ihre persönlichen und finanziellen Angelegenheiten selbst zu regeln.

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Die richtigen Entscheidungen treffen

Welche Behandlung passt zum Betroffenen? 62 Prozent der Befragten wollen ihre Diagnose kennen, damit sie ausreichend Zeit haben, sich über die Therapiemöglichkeiten ausführlich informieren zu können. So hoffen sie, eine qualifiziertere Entscheidung bezüglich ihrer Heilmethode zu treffen.

Rauchen
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Den Lebensstil ändern
Starker Raucher, Junk-Food-Liebhaber oder Sportmuffel: 66 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass sie eine Diagnose als Anlass nehmen würden, ihren Lebensstil zu ändern. So besteht außerdem die Chance, den Verlauf der Krankheit zu beeinflussen.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, die Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung der Erkrankungen erheblich zu verbessern. Dazu wollen die Forscher unter anderem herausfinden, ob bestimmte Faktoren die Entstehung von Krankheiten begünstigen und wie zum Beispiel Umweltbedingungen oder die genetischen Anlagen zusammenwirken.

Das besondere an dieser Studie ist die große Teilnehmerzahl und die Beobachtung über einen so langen Zeitraum, was die Analyse vieler Forschungsfragen ermöglicht. Zudem sind im Gegensatz zu anderen Studien auch viele jüngere Menschen dabei. Anhand der Daten von Teilnehmern, die im Laufe der Studie erkranken und nicht Erkrankten kann zum Beispiel besser untersucht werden, ob und in welchem Maße ein Faktor das Krankheitsrisiko beeinflusst.
Die Auswahl geschieht per Zufallsverfahren aus den Einwohnermeldeämtern. Eine freiwillige Teilnahme ist nicht möglich.

Finanziert wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium, von 14 Bundesländern und der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren mit zunächst insgesamt 210 Millionen Euro. An der Studie sind unter anderem bundesweit 14 Universitäten, vier Helmholtz-Zentren und vier Leibnitz-Institute beteiligt.

  • afp
  • dpa
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