Sterbebegleitung
Zahl der Angebote in Deutschland steigt

Die todkranke Brittany Maynard wollte ihr Lebensende selbst bestimmen. Sie hat eine Debatte weit über die USA hinaus ausgelöst. Hospizhelfer bieten einen anderen Weg - auch ihnen geht es um einen würdevollen Tod.
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FuldaSie hat schon viele Menschen bis zum Tod begleitet. 30 seien es wohl gewesen. Irgendwann habe sie aufgehört mitzuzählen, sagt Gaby Stanke. Die 53-jährige Frau arbeitet seit sieben Jahren als ehrenamtliche Hospizhelferin für den Malteser Hilfsdienst in Fulda. In ihrer Freizeit besucht Stanke todkranke Patienten zu Hause. Zu 90 Prozent sind es Krebspatienten. Die Ärzte geben ihnen meist nur Wochen oder wenige Monate. In dieser schweren Zeit des Abschieds kümmert sich Stanke um die Kranken oder deren Angehörige. „Es wird viel gesprochen und viel geweint in dieser Phase“, sagt Stanke.

Wie Gaby Stanke engagiert sich eine wachsende Zahl von Freiwilligen in der ambulanten Sterbebegleitung bei den Maltesern. Die katholische Hilfsorganisation ist einer der größeren Anbieter für ambulante oder stationäre Hospiz- und Palliativdienste im Bundesgebiet. In Hospize kommen die Todgeweihten zum Sterben, für die keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht. Austherapiert. Am Ende.

Die Zahl der ambulanten, mobilen Hilfsangebote der Malteser wächst, es gibt eine steigende Nachfrage. Dadurch wurden im vergangenen Jahr auch mehr Begleitungen gezählt: 8639 für Sterbende (2012: 7857) und 5407 für Angehörige und Trauernde. Die Malteser gewinnen bundesweit zunehmend Ehrenamtliche für die Mitarbeit. 2013 waren es knapp 2800 (2012: rund 2700).

„Auch wenn es sich bei der Hospizarbeit um ein forderndes und nicht leichtes Ehrenamt handelt, gibt es glücklicherweise nach wie vor Menschen, die sich dafür entscheiden - und zwar ganz bewusst“, sagt Karolina Kasprzyk von der Geschäftsstelle Limburg, die für die Region Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig ist.

Auch das Bundesgesundheitsministerium sieht eine „steigende Bedeutung“ und „stärkere Inanspruchnahme“ von Hospizen und Palliativmedizin. Unter Palliativmedizin versteht man die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen. Hierzu gehört auch die Schmerztherapie im ambulanten und stationären Bereich.

In den USA hat die krebskranke Brittany Maynard jetzt tödliche Medikamente eingenommen, um ihr Leben angesichts eines aggressiven Gehirntumors friedlich zu beenden. Der Fall erregte weltweit Aufsehen. Zumindest in einem Punkt verfolgen Hospize und Palliativmedizin ein ähnliches Ziel: Es geht um einen würdevollen Tod - aber um einen anderen Weg.

Nach Angaben des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes hat sich die Zahl der ambulanten Hospiz- und Palliativdienste seit 1996 mehr als verdreifacht: von 451 ambulanten Diensten auf rund 1500 im Jahr 2011. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Laut Verband engagieren sich bundesweit rund 80 000 Ehrenamtliche in der Hospizbewegung in Deutschland. So wie Gaby Stanke.

Wenn sie die Dankbarkeit verzweifelter und hoffnungsloser Patienten spürt, ein zufriedenes Lächeln erntet - „das bestärkt mich über Wochen“, sagt Stanke, die auch in ihrem Job mit Kranken konfrontiert ist. Sie arbeitet auf der Krebsstation des Klinikums Fulda. „Einfach da sein“ und reden steht bei den Besuchen im Vordergrund. Je nachdem wie aktiv und mobil die Patienten sind, spielt sie mit ihnen auch Gesellschaftsspiele oder geht mit ihnen spazieren.

Für viele Schwerstkranke ist Gaby Stanke offenbar wie ein Kummerkasten. „Sie werfen im Gespräch Ballast von ihrer Seele ab. Bei zwei Drittel der Themen geht es um negative Dinge. Bei einem Drittel um Schönes und Positives, das sie erlebt haben.“

Gaby Stanke beschäftigt sich zwar in ihrer Freizeit mit dem Leiden und Sterben todkranker und verzweifelter Menschen. Negativ beeinträchtigt fühlt sie sich von den Begegnungen nach eigenen Worten aber nicht. „Ich tue mir damit nichts an. Ich bin ja letztlich auch nicht betroffen. Vor allem kann ich danach aber gut abschalten. Ich nehme keinen Kummer mit nach Hause. Auch weil ich gut ausgebildet wurde und betreut werde. Es ist wichtig, achtsam mit sich selbst zu sein.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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