Studie
Tausende Schlaganfälle vermeidbar

Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland – und eine bessere Vorsorge könnte jährlich tausende von ihnen verhindern. Zu dem Ergebnis kommen eine Studie der DAK.
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BerlinDurch eine bessere Behandlung und Vorsorge könnten laut einer Studie in Deutschland bis zu 10.000 Schlaganfälle im Jahr verhindert werden. Allein 9400 Hirnschläge wären durch eine konsequentere Behandlung des Vorhofflimmerns, einer Herzrhythmusstörung, vermeidbar, wie die am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt. Vorhofflimmern gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfälle. Weitere 500 Fälle könnten demnach durch eine verbesserte Versorgung von Menschen, die bereits einen Beinahe-Schlaganfall erlitten haben, verhindert werden.

Jährlich erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Die Mehrzahl davon ist älter als 60 Jahre. Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache. Auslöser sind in den meisten Fällen verstopfte Blutgefäße, etwa durch Verkalkungen. Aber auch eine Hirnblutung kann zum Schlaganfall führen.

Wer einen Hirninfarkt überlebt, ist oft körperlich stark eingeschränkt. Zu den Symptomen zählen unter anderen Bewegungs- und Sprachstörungen, Lähmungen, Sehstörungen oder ein hängender Mundwinkel. In der Regel ist nur eine Körperhälfte betroffen.

Laut dem vom Berliner IGES Institut erstellten DAK-Report kann die Schlaganfall-Vorsorge bei 60 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern wesentlich verbessert werden. Die Herz-Kreislauf-Störung wird nur bei etwa zwei Dritteln der Betroffenen überhaupt entdeckt. Doch selbst bei Diagnose bekomme nur jeder zweite Patient geeignete Medikamente. Würde das Vorhofflimmern bei vier von fünf Patienten erkannt und richtig behandelt, ließen sich tausende erstmalige Schlaganfälle vermeiden, erklärte DAK-Chef Herbert Rebscher.

Auch durch eine bessere Medikamentenversorgung von Patienten mit Beinahe-Schlaganfall wären demnach viele Fälle vermeidbar. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 84.000 Patienten mit erstmaligem Beinahe-Schlaganfall, einer sogenannten Transitorischen ischämischen Attacke (TIA), im Krankenhaus behandelt.

Die Symptome sind durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn dieselben wie beim Hirninfarkt - sie bilden sich aber binnen 24 Stunden wieder zurück. Die Betroffenen sind aber besonders gefährdet, später einen richtigen Schlaganfall zu erleiden. Dem Report zufolge wären jährlich rund 500 Schlaganfälle vermeidbar, wenn bei rund einem Viertel der Patienten mit Beinahe-Schlaganfall die Versorgung mit Medikamenten verbessert würde.

Pro Schlaganfall-Patient gehen Experten von etwa 43.000 Euro lebenslangen Behandlungskosten aus. Für die Behandlung der rund 10.000 vermeidbaren Schlaganfälle müssen demnach insgesamt etwa 430 Millionen Euro aufgebracht werden. Vor diesem Hintergrund forderte die DAK „mehr Handlungsspielraum“ für die Kassen. Bislang könnten die Krankenkassen aufgrund der Datenschutzbestimmungen Patienten oder Ärzte nur in sehr geringem Maße auf potenzielle Versorgungsmängel ansprechen, obwohl ihnen Diagnosedaten vorliegen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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