Studie
Zahl der Demenz-Kranken steigt rasant

Weltweit sind derzeit rund 44 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. In wenigen Jahrzehnten könnte sich diese Zahl jedoch vervielfachen, prophezeien Experten. Besonders die G8-Staaten sind betroffen.
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London/HamburgDie Zahl der Demenzkranken ist in den vergangenen drei Jahren weltweit um knapp ein Viertel gestiegen. Wie aus einer am Donnerstag von der Organisation Alzheimer Disease International veröffentlichten Studie hervorgeht, gibt es derzeit rund 44 Millionen Demenzfälle weltweit; das sind 22 Prozent mehr als vor drei Jahren. Bis 2050 wird mit einer Verdreifachung der Fälle auf dann 135 Millionen gerechnet.

Der Chef von Alzheimer Disease International, Marc Wortmann, sprach von einer globalen Epidemie. Es werde „immer schlimmer“. Die Zahl der älteren Menschen mit Alzheimer werde „dramatisch“ zunehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müsse die Behandlung von Demenz zu einer ihrer Prioritäten machen.

Der Studie zufolge lebt derzeit knapp ein Drittel der Demenzkranken in reichen Staaten, die große Mehrheit aber in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen, wo der Zugang zu der benötigten Unterstützung und Pflege „sehr eingeschränkt“ sei.

Das britische Gesundheitsministerium bezeichnete Alzheimer als „eine wachsende weltweite Herausforderung“. Ein Sprecher forderte, dass sich der G-8-Gipfel in der kommenden Woche mit dem Thema befassen müsse. Die G-8-Länder müssten Demenz „erstmals als globale Angelegenheit“ behandeln.

Auch in Deutschland steigt die Zahl der Demenzkranken. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wird sich die Zahl der Erkrankten hierzulande von heute 1,4 Millionen bis zum Jahr 2050 auf etwa drei Millionen erhöhen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt. Zwei Drittel der Betroffenen leiden an Alzheimer, der häufigsten Form der Demenz. „Die Zahlen sind erschreckend“, sagte ein Sprecher der Alzheimer-Gesellschaft in Berlin. Die weitere Entwicklung gehe langsam voran, man könne sich darauf einstellen und etwas tun. Dazu gehöre auch ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff.

Experten fordern seit langem die Umsetzung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, damit Menschen mit Demenz und psychischen Erkrankungen bessere Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen. Ein Expertenbeirat hatte dazu bereits ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Zur Umsetzung heißt es dazu im Koalitionsvertrag von Union und SPD eher vage, der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff solle „in dieser Legislaturperiode so schnell wie möglich“ eingeführt werden.

In Deutschland haben ältere Menschen über 60 Jahren inzwischen mehr Angst vor Demenz als vor Krebs oder einem Schlaganfall. Das geht aus einer Umfrage der DAK-Gesundheit hervor. Während die Sorge vor Krebs oder Herzinfarkt zurückgeht, nimmt die Furcht vor der unheilbaren Erkrankung des Gehirns zu.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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